Filmbulletin Print Logo
Psycho

Kinosound

Der Ton im Film macht die Bilder nicht vollständiger, sondern weitet sie aus. Im Klang ver­wischen die Grenzen zwischen Eigenem und Fremdem, zwischen technischen Medien und eigenen Nerven, zwischen Wahrnehmung und Wunsch. Es wird etwas draussen hörbar, was man glaubte, nur im eignen Inneren wahrzunehmen: eine Seele, die rauscht, knistert, dröhnt und singt.

Text: Ute Holl / 12. Dez. 2017

Als akustische Ausweitung aller Klänge und Stimmen ebenso wie als deren Störung und als Rauschen nimmt der Sound im Kino Kontakt mit den Bildern auf und transformiert sie zugleich. Kinosound markiert ein Feld der Unbestimmbarkeit zwischen Hörbarem und Halluziniertem, zwischen Wahrnehmung und Wunsch. Mehr als alle optischen Tricks verwischt der Klang im Kinosaal die Grenze zwischen dem Eigenen und dem Fremden. Kein Wunder, ist doch das Hörorgan selbst eine Übergangszone zwischen materieller Welt und Wahrnehmung, zwischen technischen Medien und Nerven. Immer zugleich innen und aussen, bewusst und unbewusst bleibt der spezifische Sound eines Films – sein eigener Klang jenseits von den Melodien der Filmmusik – unverwechselbar und zugleich das, was in der Erinnerung an einen Film am wenigsten beschreibbar ist. Filmkritik vermeidet daher den Sound, wo sie nur kann, und beschränkt sich, wenn überhaupt, auf technische Rekonstruktionen der Tonmischung. Kinogänger erinnern sich an Filmmelodien, aber selten wissen sie noch, wie jenseits davon die akustische Wirklichkeit der Filmerzählung beschaffen war oder wie Musik und Geräuschkomposition eines Films zusammenhängen …

Weiterlesen können Sie diesen Artikel in der Printausgabe von Filmbulletin.

Ausgabe 8/2017 nachbestellen.

Dieser Artikel ist in der Printausgabe Nr. 8/2017 erschienen. Stöbern Sie in unserem Ausgabenarchiv.

Weitere Empfehlungen

Essay

29. Sept. 2015

Film im Museum

Seit zwanzig Jahren ero­­bern Filme auch Aus­stel­lungs­hallen, aber ­eigentlich sind die laufen­den Bilder mit den laufenden Betrachtern ­unvereinbar. Wie lassen sich audio­visuelle Werke ­trotz­dem in Museen zeigen?

Essay

02. Mai 2018

Askese und Exzess

Von den jungen Wilden des New Hollywood ist er bis heute einer der radikalsten geblieben. Von seinem Drehbuch für Taxi Driver bis zu seinem jüngsten Film First Reformed dreht sich Paul Schraders Werk obsessiv um Fragen von Schuld und Vergebung und der Sehnsucht nach Erleuchtung mitten im tiefsten Schmutz. Am Filmfest Bildrausch in Basel wird der Regisseur und Kritiker geehrt. Gelegenheit für die Analyse eines Gequälten.

Essay

01. Sept. 2010

Condor Films

Orson Welles, Federico Fellini, Martin Scorsese haben es getan, und sogar Akira Kurosawa hat für japanischen Whisky geworben – und damit Kagemusha mitfinanziert. Aber in den Werklisten der Meister werden Werbefilme normalerweise schamhaft verschwiegen. So sehr man deren Ertrag aus finanzieller Sicht schätzt, aus künstlerischer Sicht rümpft man die Nase.