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Mit Kopf, Haut und Haar?

Das Eintauchen ins Wasser als filmisches Motiv und das Eintauchen in ein fiktio­nales Universum gehören im Kino eng zusammen. Wir tauchen mit den Figuren in eine Welt, die uns umfängt, uns Zuflucht und sinnliches Erleben bietet. Mehr noch weist diese Verbindung von Wasser und Film darüber hinaus, auf die besondere Funktionsweise filmischer Wahrnehmung.

Text: Franziska Heller / 24. Okt. 2017

Der Moment des Eintauchens ist mehr als ein filmisches Motiv des Übergangs. Er ist ambivalent, mehr als ein eindeutiges Symbol der reinigenden Wiedergeburt, mehr als ein Sinnbild des Sichverlierens in einer visuell erzählten Geschichte. Aufgrund der spezifischen Wirkung von Filmbildern und des Montage-Flusses sind beim Filmeschauen von vornherein das Raum- und Zeiterleben neuen, von der Realität abgelösten Erfahrungen ausgesetzt. Wenn dies zusätzlich mit Erinnerungen an eigene sinnliche Körpererfahrungen wie etwa den Kontakt mit Flüssigkeiten geknüpft wird, dann entwickelt diese Konstellation – Wasser und Film – einen besonderen physischen Erlebnishorizont, der jenseits des kognitiven Begreifens liegt und grundsätzlich auf die Funktionsweisen filmischer Wahrnehmung deutet: das Paradox, dass man in Bilder eintauchen kann, während man trotzdem trocken im Kinosessel sitzt …

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