2011 veröffentlichte der US-amerikanische Autor Andy Weir seinen Debütroman «The Martian», 2015 folgte die gleichnamige Verfilmung. Bereits da zeigte sich seine Liebe für detailgetreue Darstellungen von wissenschaftlichen Vorgängen, vermischt mit Humor und einer hoffnungsvollen Geschichte.
Das Regieduo Phil Lord und Christopher Miller (21 Jump Street, The Lego Movie) wollte ursprünglich Weirs zweiten Roman «Artemis» (2017) verfilmen, ein Skript existiert bereits. Der Film um eine auf dem Mond lebende Schmugglerin muss jedoch warten – denn Ryan Gosling, der «Project Hail Mary» noch vor seiner Veröffentlichung 2021 zu lesen bekam, kontaktierte die beiden, um die Adaption zu realisieren. Drew Goddard, der auch schon für The Martian das Drehbuch schrieb, wurde ebenfalls mit an Bord geholt.
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Anders als im Biopic First Man (2018), wo Ryan Gosling den ausgebildeten Astronauten Neil Armstrong verkörperte, spielt er hier den Lehrer Ryland Grace, der ohne Erinnerungen in einem Raumschiff aus dem Koma erwacht. Nach und nach kehren einige Gedächtnisfetzen zurück, und so auch der Grund für seine missliche Lage: Die Sonne verliert an Strahlkraft und droht, alles Leben auf der Erde auszulöschen. Auf der Suche nach einer Lösung kommt es überraschend zum Erstkontakt zwischen ihm und einem Alien, das er Rocky nennt.
Die Übersetzung von der Romanvorlage zum Film gelingt dank Ryan Goslings ausdrucksstarken Schauspiels. Er erweckt Grace in allen Facetten zum Leben – von der Liebe zum Unterrichten und der ansteckenden Euphorie über gelungene Experimente bis hin zu seiner Bewunderung für Rocky.
Diese Freundschaft zwischen Grace und Rocky ist denn auch das Herzstück des Films. Die beiden lernen, miteinander zu kommunizieren, und suchen gemeinsam nach einer Lösung, denn Rockys Heimat ist vom selben Schicksal bedroht wie die Erde. Rocky, der von mehreren Puppenspieler:innen bedient wird, ist pure Filmmagie: Er kommt ohne Mimik aus, dafür mit umso mehr Persönlichkeit – auch weil Puppenspieler James Ortiz dem Alien seine Stimme leiht.
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Sandra Hüller (Anatomie d’une chute) trägt als «Project Hail Mary»-Koordinatorin Eva Stratt indes das Schicksal der Menschheit auf ihren Schultern, und die Last wiegt sichtlich schwer. In ihrem Blick liegt etwas Bedrückendes, was ihre Verantwortung und Rolle in dieser Mission hervorhebt. Unter ihrer Aufsicht verläuft das Projekt mit einer Dringlichkeit, die aber nie kühl wirkt. Sandra Hüller gibt ihrer Figur die nötige Wärme, um ihre – ethisch bisweilen fragwürdigen – Handlungen nachvollziehbar zu machen.
Project Hail Mary, der dank Greig Frasers Kameraarbeit auch atemberaubend aussieht, strahlt nur so vor Liebe für die Romanvorlage. Wie in Adaptionen üblich, werden Momente aus dem Buch verkürzt abgehandelt oder ganz herausgeschnitten. In diesem Fall wird aber wohl kaum etwas vermisst, denn es wird auf das Wichtigste fokussiert: die Geschichte um Grace und Rocky und den Hoffnungsschimmer, den die zwei bringen. Trotz der existenziellen Katastrophe verfällt die Handlung nie in apokalyptische Zustände. Stattdessen wird sie wie ein Problem behandelt, das gelöst werden kann – eine Message, die in vielen Lebenssituationen, und auch in unserer aktuellen Weltlage, Hoffnung schenken kann.
Junge Kritik
Diese Kritik entstand im Rahmen einer Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).