Wieso nicht mit dem Spezifischen beginnen: Die Schauspielleistungen in Disclosure Day sind beeindruckend, allen voran jene von Emily Blunt, aber auch Josh O’Connor, Colman Domingo und Colin Firth treffen ihre Töne und lassen keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Geschehnisse, ganz egal, wie herrlich abgehoben das Material von Steven Spielbergs neuem Sci-Fi-Spektakel ist.
Und diese Ernsthaftigkeit ist ein entscheidendes Element, wenn man auf der Klaviatur des gross angelegten Sommer-Blockbusters spielen möchte. Erzählt werden in solchen Blockbustern oft Geschichten, die so weit hergeholt erscheinen, dass man sie mit unerschütterlicher Ehrlichkeit und Sentimentalität zu präsentieren hat, will man ein breites Publikum begeistern. Spielberg ist der unangefochtene Meister dieser Sommer-Blockbuster-Kategorie, die er in den Siebzigern einst selbst mitbegründete.
In Disclosure Day steckt noch mehr Siebzigerjahre-DNA, jene der Verschwörungsfilme von damals (The Parallax View von 1974 etwa), deren Katz-und-Maus-Erzählstruktur der Film über weite Strecken nachzeichnet, um sie mit jenen mystischen und religiösen Themen zu verbinden, die Spielberg schon häufig, und nie schöner als in Close Encounters of the Third Kind (1977), durchgespielt hat.
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In Disclosure Day begegnen wir einer Handvoll Figuren, die mit ausserirdischen Besuchern in Berührung gekommen sind und nun damit ringen, ob Informationen dazu an die breite Öffentlichkeit gelangen sollen. Zu den potenziellen Whistleblowern gehören der verkopfte Datenspezialist Daniel Kellner (O’Connor) und die Wetterfee Margaret Fairchild (Blunt), die nach einer mystischen Begegnung plötzlich über unbegrenzte Sprach- und Menschenkenntnisse verfügt. Bald befinden sie sich auf der Flucht vor einer Schattenorganisation, die Noah Scanlon (Firth) mit der charismatisch-überladenen Energie eines Bond-Bösewichts anführt.
Der Plot stellt grosse Fragen, doch scheint er weniger an Antworten interessiert, als dass er die Konstellation zum Anlass nimmt, die Spielberg-typische Mischung aus vager Melancholie und grossherzigem Humanismus zu versprühen. Die Konstellation dient vor allem aber dazu, einmal mehr Spielbergs beeindruckende Qualitäten als visueller Geschichtenerzähler zu demonstrieren. Dass David Koepps Drehbuch den zweieinhalbstündigen Plot nicht sehr engmaschig zusammenhält, wird dank der spektakulären Kamera von Janusz Kamiński und der meisterhaft aufgebauten Szenen, darunter bestechende, actiongeladene Autoverfolgungen, zur Nebensache.
Dass die Emotionen in Disclosure Day am richtigen Ort landen, ist nicht zuletzt auch der Musik von John Williams zu verdanken. Sie ist genauso unerlässlich für das Spielberg-Feeling wie die vorsichtig optimistische Weltsicht, der kindliche Blick ins Unentdeckte und die Lust auf Kinomagie.