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Minions and Monsters
© 2026 Universal Studios. All Rights Reserved.

Minions & Monsters im Hollywood-Museum

Das neue Abenteuer der trotteligen Minions eignet sich vor allem zur pädagogischen Filmvermittlung.

Text: Alan Mattli / 01. Juli 2026
  • Regie

    Pierre Coffin

  • Buch

    Pierre Coffin, Brian Lynch

  • Schnitt

    Claire Dodgson, Gregory Perler

  • Musik

    John Powell

  • Mit

    Pierre Coffin, Christoph Waltz, Trey Parker, Jesse Eisenberg, Zoey Deutch, Jeff Bridges

  • Start

    1. Juli 2026

Wer Kinder zur Cinephilie erziehen will, fängt am besten mit Stummfilm-Slapstick an. Über Menschen, die sich gegenseitig eins aufs Dach geben oder kunstvoll auf die Nase fallen, können alle Altersklassen gemeinsam lachen – bevor man vielleicht eine Unterhaltung über die Tatsache anreisst, dass das, was da auf der Leinwand oder auf dem Bildschirm passiert ist, eine reiche Geschichte hat. Charlie Chaplin, Buster Keaton, Laurel und Hardy – sie alle gehören wenig überraschend zum Standardrepertoire von filmpädagogischen Initiativen wie dem Schweizer Kinderfilmklub Zauberlaterne.

Bisweilen kommen kinderfreundliche Produktionen aber sogar selbst diesem Vermittlungsauftrag nach: manchmal implizit, wie es das englische Animationsstudio Aardman mit seinen wortlosen Shaun the Sheep-Abenteuern zu tun pflegt, manchmal ein wenig expliziter, wie es aktuell im Illumination-Franchise-Eintrag Minions & Monsters zu beobachten ist.

Minions and Monsters 2

© 2026 Universal Studios. All Rights Reserved.

Seit ihrem ersten Auftritt in Despicable Me (2010) sind die tollpatschigen gelben Minions mit ihrem Bösewicht:innen-Fetisch und ihrem kauderwelschigen Englisch-Französisch-Spanisch-Kuddelmuddel fester Bestandteil der globalen Popkultur. Nicht nur sind sie seither in drei Despicable Me-Sequels und zwei eigenständigen Minions-Filmen aufgetreten; sie zieren auch weiterhin jedes erdenkliche Merchandising-Objekt und führen in gewissen Ecken des Internets gar ein groteskes Doppelleben als politisches Meme-Format.

Bei so viel medialem Übersättigungspotenzial aktiviert die Aussicht auf einen weiteren Minions-Teil wohl den Kampf-oder-Flucht-Reflex von zahlreichen Kinogänger:innen. Doch wer den Mut und die Musse aufbringen kann, 90 weitere Minuten mit den Tic-Tac-förmigen Chaosstiftern von Illumination zu verbringen, bekommt in Minions & Monsters eine überraschend liebevolle Hommage ans Hollywood der Stummfilmzeit vorgesetzt.

Hier verschlägt es den Minions-Stamm von Geschichtenerzähler James (wie alle Minions gesprochen von Regisseur Pierre Coffin) ins Los Angeles der Zwanzigerjahre, wo sie vom erfolgreichen Filmemacher Max (Christoph Waltz) entdeckt und zu Stars gemacht werden. Doch wie schon Buster Keaton und die Protagonist:innen von Damien Chazelles Babylon (2022) werden die Minions schliesslich vom Aufkommen des Tonfilms vor grosse berufliche Herausforderungen gestellt.

Minions and Monsters 1

© 2026 Universal Studios. All Rights Reserved.

Wohlverstanden: Minions & Monsters ist ein narrativ kaum funktionstüchtiges Gebilde. Auf eine Rahmenhandlung mit Allison Janney als Museumsführerin, deren Voiceover-Erzählstimme wohl den Schock des über weite Strecken auf «Minionesisch» geführten Dialogs abfedern soll, folgen, der Reihe nach, eine (recht lustige) Sketch-Kollektion über die missglückten Schurken-Kollaborationen der Minions, ein rund 40-minütiges Intermezzo über die Minions in Hollywood, eine bizarre anachronistische und geschlechterpolitisch fragwürdige Liebesgeschichte zwischen einem Roboter (Jesse Eisenberg) und einer Suffragette (Zoey Deutch) sowie eine 0815-Actionklimax mit Baby-Cthulhu (Trey Parker) in einer Hauptrolle. Man spürt förmlich die Studioanmerkungen am Drehbuchrand.

Doch wann immer sich Pierre Coffin und das Illumination-Team die Zeit nehmen, sich in ihrem filmhistorischen Setting auszutoben, ist Minions & Monsters eine wahre Freude. Während brancheninterne Anspielungen in anderen Familienfilmen gerne einmal verzweifelt oder, noch schlimmer, herablassend wirken – Almosen für Eltern und Kritiker:innen –, macht sich hier ein aufrichtiger Enthusiasmus bemerkbar. Von den Minions-ifizierten Muybridge-, Lumière- und Méliès-Clips und den visuellen Verneigungen vor Orson Welles und Metropolis (1927) über die kindergerecht aufbereitete Zwanzigerjahre-Studiotour bis hin zur Keaton’schen Verfolgungsjagd, die das Publikum via The Great Train Robbery (1903), Modern Times (1936), Steamboat Bill, Jr. (1928) und Safety Last! (1923) durch das erste Vierteljahrhundert Hollywoods führt: Diese Lust am Film(en) macht so einiges wett.

 

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