Die Engländerin Emerald Fennell hat ein gutes Gespür für einnehmende Filmbilder, hat sich als Geschichtenerzählerin bislang aber kaum profilieren können. Zwar erhielt sie für Promising Young Woman (2020) einen Drehbuchoscar, doch das als #MeToo-Rachefantasie vermarktete Drama war im Grunde eher eine aufsehenerregend gestylte Aneinanderreihung popfeministischer Plattitüden. Als noch konfuser erwies sich Saltburn (2023), ein als Gesellschaftssatire verkleideter Thriller, der sich in einem bizarren Klassenkampf zwischen Bourgeoisie und Oberschicht verrannte.
So gesehen, ist Wuthering Heights eine durchaus willkommene Abwechslung für Fennell: Nicht nur bietet ihr der historische Schauplatz mehr als genug Entfaltungsraum für ihre visuelle Spielfreude; der Umstand, dass ihr Drehbuch auf bestehendem Material aufbaut – Emily Brontës gleichnamigem Gothic-Roman von 1847 –, befreit sie ein Stück weit vom Druck, sich in Sachen ausgefallener Handlung einmal mehr selber übertreffen zu müssen.
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Wie die meisten vorhergehenden Verfilmungen des Stoffs – etwa jene von William Wyler (1939) oder Andrea Arnold (2011) – ignoriert auch Fennells Version die zweite Hälfte von Brontës Roman und konzentriert sich voll auf die tragische star-crossed Romanze zwischen der verarmten Gutsherrentochter Catherine Earnshaw und dem adoptierten Findelkind und späteren Knecht Heathcliff. Mehr noch: Laut Fennell wolle ihr Wuthering Heights weniger das Buch an sich adaptieren als den Eindruck, den die Lektüre bei ihr im Teenageralter hinterliess.
Das funktioniert zunächst tatsächlich ganz gut. Obwohl sich auch hier von Anfang an Fennells Tendenz bemerkbar macht, Themen anzureissen, ohne sie in der Folge bedeutsam weiterzuentwickeln – siehe die Verquickung von Sex und Tod in den ersten Sekunden des Films –, findet dieser Wuthering Heights angemessene Ventile für ihren Hang zur Überstilisierung. Der titelgebende Earnshaw-Landsitz in den Mooren von Yorkshire ist ein theaterbühnenartiges Gebilde im Schatten einer künstlich-dramatischen Felsformation, der dauerbetrunkene Mr. Earnshaw (Martin Clunes) eine Karikatur eines viktorianischen Familientyrannen, Catherine (erst Charlotte Mellington, dann Margot Robbie) ein egozentrisches Plappermaul, Heathcliff (erst Owen Cooper, dann Jacob Elordi) ein finster dreinblickender Klotz, dessen Hingabe an Catherine fast schon an Selbstvernichtung grenzt.
Fennell mag das «moderne», «aufgeschlossene» Bewusstsein ihres Films ein wenig zu nachdrücklich zur Schau stellen – wohl motiviert durch das weitverbreitete Missverständnis, viktorianische Literatur sei per se brav und zugeknöpft und müsse darum auf der Leinwand körperlich und geistig «befreit» werden –, aber ihre poppige Brontë-Neuauslegung hat zumindest während der ersten Stunde einen erkennbaren Reiz: Aus einer düsteren Studie generationenübergreifender menschlicher Grausamkeit wird ein ironisch gebrochener bodice ripper, ein vielleicht etwas zahmer, aber dennoch recht unterhaltsamer Nackenbeisser über eine überkandidelte Möchtegern-Adlige und ihren permanent schmollenden Beau. (Mit dieser augenzwinkernden Darstellung bewegt sich Fennell auf den literarischen Spuren von Jane Austens Gothic-Parodie «Northanger Abbey» sowie gewissen Passagen in Charlotte Brontës «Jane Eyre».)
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Als sich dann aber Catherine mit ihrem wohlhabenden Nachbarn Edgar Linton (Shazad Latif) vermählt und der enttäuschte Heathcliff ins Land hinauszieht, um sein Glück zu machen, verliert Fennell die Kontrolle über ihre Adaption. Wahrt sie zu Beginn noch eine gesunde emotionale Distanz zu ihren Protagonist:innen, legt sie es in der zweiten Hälfte des Films schliesslich doch darauf an, sie als herzzerreissendes Jahrhundert-Liebespaar zu positionieren – aller Implikation zum Trotz, dass es sich bei den beiden um gebrochene Menschen handelt, die sich selber, einander und sämtlichen Leuten in ihrem Umfeld nichts als Leid zufügen.
Gut möglich, dass Emerald Fennell die Geschichte als Teenager so wahrgenommen hat. Sonderlich überzeugend ist diese schwelgerische Interpretation aber trotzdem nicht. Dass die zweite Stunde von Wuthering Heights ganz im Zeichen der unglücklichen Sehnsucht steht, welche die verheiratete Catherine und der zurückgekehrte Heathcliff füreinander empfinden, führt zum einen zu einer ärgerlichen Plättung der tragenden Nebenfiguren Edgar Linton, seinem Mündel Isabella (Alison Oliver) sowie der Earnshaw-Haushälterin Nelly Dean (erst Vy Nguyen, dann Hong Chau). Zum anderen findet Fennell ausser repetitivem dramatischem Leerlauf und tiefenlosen Montagesequenzen kein Rezept, um besagte Sehnsucht stimmig abzubilden. Die Romanze wird zur Geduldsprobe.