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Zootopia
© The Walt Disney Company. All Rights Reserved.

Vergiss es, Judy – es ist Zootopia 2

Die Fortsetzung zu einem der letzten richtig guten Disney-Animationsfilme hat vielversprechende Ideen. Mit der Umsetzung hapert es aber.

Text: Alan Mattli / 27. Nov. 2025
  • Regie

    Jared Bush, Byron Howard

  • Buch

    Jared Bush

  • Musik

    Michael Giacchino

  • Mit

    Ginnifer Goodwin, Jason Bateman, Ke Huy Quan, Fortune Feimster, Andy Samberg, David Strathairn

  • Start

    26. November 2025

Mit der tierischen Buddy-Cop-Komödie Zootopia (alias Zootropolis alias Zoomania) und dem mitreissenden polynesischen Märchen Moana (alias Vaiana) landete Disneys legendäre Animationsabteilung 2016 einen beeindruckenden Doppelschlag. Seither jedoch stottert der kreative Motor: Zwischen uninspirierten Fortsetzungen (Ralph Breaks the Internet, Frozen 2, Moana 2), dreist abgekupferten «Originalen» (Raya and the Last Dragon) und peinlicher Selbstbeweihräucherung (Wish) konnten sich in den letzten zehn Jahren einzig das solide Schema-F-Musical Encanto (2021) und der anregend konzipierte Abenteuerfilm Strange World (2022) einigermassen profilieren.

Da kommt eine Rückkehr in die von anthropomorphen Säugetieren bewohnte Megastadt Zootopia gerade richtig. Immerhin hat sich Disney mit diesem arten- und habitatreichen Schauplatz eine gigantische Spielwiese zurechtgelegt, auf der sich – ganz dem Noir-Plot des ersten Films entsprechend – noch jede Menge weitere zoologische Kriminalfälle und Verschwörungen entspinnen lassen.

Zootopia 1

© The Walt Disney Company. All Rights Reserved.

Und Zootopia 2 verliert auch keine Zeit damit, das serielle Potenzial seines Settings zu aktivieren. Kaum eine Woche ist seit dem Ende des Vorgängers vergangen, und schon steht der (allzu) enthusiastischen Hasen-Polizistin Judy Hopps (Ginnifer Goodwin) und ihrem Partner, dem Ex-Kleinganoven und frischgebackenen Fuchs-Polizisten Nick Wilde (Jason Bateman), der nächste Fall ins Haus: Die Feierlichkeiten zum 100-Jahr-Jubiläum der städtischen Klimaregulierung, die ein friedliches Zusammenleben der verschiedenen Spezies ermöglicht, werden von einer ominösen Reptilien-Bedrohung überschattet, während die mächtige Luchs-Familie Lynxley die Expansion ihres Tundra-Stadtteils anstrebt.

Von all den Sequels, mit denen Disney in den letzten Jahren den Markt geflutet hat – seien es Eigenproduktionen oder jene der Animations-Unterabteilung Pixar –, ist wohl noch keinem eine so starke Ausgangslage gelungen wie Zootopia 2. Das Kreativteam rund um die Encanto-erprobten Regisseure Byron Howard und Jared Bush denkt die Stadt der Tiere stimmig weiter, entwirft neue Schattenwirtschaften und Tier-Allianzen und lässt Judy und Nick mit ihrer neuen Partner:innen-Dynamik hadern. Sogar die etwas unglücklich formulierte Rassismus-Allegorie des ersten Teils wird ersetzt – und zwar durch eine Geschichte über systematische Ausgrenzung und historische Schönfärberei: Jawohl, auch in Zootopia hat eine Nakba stattgefunden.

Zootopia 2

© The Walt Disney Company. All Rights Reserved.

Aus dieser vielversprechenden Grundposition holt der Film aber letztlich, gerade im Vergleich mit Zootopia, enttäuschend wenig heraus. War das erste Abenteuer von Judy und Nick noch vollgestopft mit raffiniertem Slapstick, urkomischem Wortwitz und herrlich absurden Verwendungen des Schauplatzes, tritt Zootopia 2 beim Humor gehörig auf die Bremse. Die Wortspiele haben sich gehalten, doch ansonsten geben sich Howard und Bush mit nicht sonderlich einfallsreichen Anspielungen (das Hippie-Festival heisst «Burning Mammal», eine einstige Gegenspielerin sitzt in einer Hannibal-Lecter-Zelle) und platten Wiederholungen von Witzen aus dem Vorgänger zufrieden. Wer sich gefragt hat, ob der Abzug der Simpsons-Veteranen Rich Moore und Jim Reardon aus der Zootopia-Belegschaft im neuen Film zu spüren ist, bekommt eine leider nur allzu klare Antwort.

Diese Nachlässigkeit macht sich auch in der Handlung bemerkbar. Vor allem in der zweiten Hälfte verabschiedet sich Zootopia 2 zunehmend von den kindgerechten Krimi-Versatzstücken der Reihe und verkommt zu einer repetitiven Aneinanderreihung von plumpen Drehbuch-Checkpoints, wie man sie aus nicht eben gelungenen animierten Kinderfilmen wie Luck (2022) oder Disneys eigenem Wish (2023) kennt: Die Figuren brauchen ein Buch, das sie an einen Ort führt, an dem sie einen Schalter umlegen müssen, damit sie einen anderen Ort finden können, wo sich das Objekt befindet, mit dem sich die Bösewicht:innen besiegen lassen. Es ist keine schlechte Metapher für die Disney-Gegenwart insgesamt: Selbst unter den besten Voraussetzungen scheint das Studio im Moment nicht imstande zu sein, aus seinem kreativen Leerlauf auszubrechen.

 

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