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Kritiken

Kino

27. Juli 2015

Mr. Kaplan

«Ich wäre um ein Haar in die falsche Wohnung gegangen», sagt am Ende des Films der 76-jährige Jacobo Kaplan erleichtert und kriegt einen Lachanfall. Das ist vor dem Hintergrund dessen, was sich bis dahin abgespielt hat, ziemlich untertrieben, hätte er doch beinahe eine grosse Dummheit begangen.

Kino

27. Juli 2015

The Second Mother

Der vierte Spielfilm von Anna Muylaert geht der Frage nach, welchen Stellenwert die Mutter in der brasilianischen Gesellschaft hat, und weitet diese Frage auf die verdrängten Klassenunterschiede aus.

Kino

27. Juli 2015

Still the Water

Still the Water erzählt zuerst die Geschichte einer Liebe: Zwei junge Menschen interessieren sich füreinander, mit allen Unsicherheiten, Ängsten und Zurückweisungen, die dazugehören.

Kino

27. Juli 2015

White God

Wer mit der Serie Lassie aufgewachsen ist, weiss, dass das Heimweh eines Hundes einen zu Tränen rühren kann. Und es ist kein grosses Geheimnis, dass das nur deshalb so gut funktioniert, weil Tiere mehr über die menschliche Gefühls- und Verhaltenswelt erzählen als über ihre eigene. Kornél Mundruczó nutzt diese Strategie in White God und stellt der 13-jährigen Lili den treuen Weggefährten Hagen zur Seite

Kino

15. Juli 2015

Mr. Holmes

Eine Dampflokomotive durchzieht stampfend und rauchend die südenglische Landschaft. Darin die Interaktion eines älteren Herrn mit einem Knaben: Noch bevor der Knirps auch nur einen Muskel regt, ermahnt ihn der Alte, er solle nicht an die Fensterscheibe klopfen und eine Biene von selbiger verscheuchen. Der kleine Junge reagiert äusserst erstaunt. Wie nur konnte der Mann, den wir bereits als Ian McKellen in seiner Rolle als Sherlock Holmes erkennen, Künftiges voraussehen?

Kino

15. Juli 2015

In the Crosswind / Ristuules

In the Crosswind ist (so der Nachspann) «den Opfern des sowjetischen Holocaust gewidmet». Martti Heldes Spielfilmdebüt war eine der grossen Entdeckungen des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg 2014. Ein Film, dem man wünscht, dass er in die Kinos findet.

Kino

15. Juli 2015

El botón de nácar

Patricio Guzmán, 1941 geboren, ist einer der bedeutendsten Cineasten Chiles und einer der grössten Dokumentarfilmer der Gegenwart. Wie der 2011 verstorbene Raúl Ruiz verstand Guzmán ­seine filmische Praxis stets als einen eigentlichen acte de résistance. Hat sich der militante Gestus heute erschöpft? Keinesfalls, El botón de nácar ist ein filmischer Essay von stupender lyrischer Kraft.

Kino

15. Juli 2015

Wild Women – Gentle Beasts

«Uns verbindet etwas, das man nicht beschreiben kann.» Die Dompteuse unterhält sich mit ihren ­Tigern in einer eigenen Sprache. Neben dem freundlichen Ton und dem scharfen Wort sind es auch Geräusche wie etwa ein lautes Ausatmen und ein seltsam klingendes Schnattern. «The Queen of Tigers» sieht sich ganz im Einklang mit ihren Raubtieren. Die Frau und ihre Katzen bilden eine eigene kleine Welt in der etwas grösseren des Zirkus.

Kino

17. Juni 2015

The Age of Adeline

Eine Liebesgeschichte auf den Kopf stellen zu wollen, ist zwar keine neue Idee, aber für das amerikanische Kino ungewöhnlich und im europäischen selten. Geschickt verdreht The Age of Adaline jedes seiner Motive ins jeweilige Gegenteil und kurbelt es ab und zu wieder zurück.

Kino

17. Juni 2015

Fidelio, l'odysée d'Alice

Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist nicht immer eine Gerade. Als sie nach ein paar Wochen auf See wieder nach Hause kommt, erklärt Alice ihrem Freund Félix noch einmal den Unterschied: Weil die Erde rund ist, sei auch der schnellste Weg über den Ozean eine krumme Linie. Ob diese sogenannte loxodromische Kurve gefahren werde, entscheide aber nicht sie, sondern der Kapitän. Alice ist Ingenieurin und für den Antrieb der Schiffsmotoren verantwortlich, nicht für die Richtung.

Kino

17. Juni 2015

Amy

Amy Winehouse galt als eines der grössten Gesangstalente des neuen Jahrtausends. Sie starb 2011 mit nur siebenundzwanzig Jahren an einer Alkoholvergiftung. Winehouse brachte in ihrem Leben lediglich zwei Studioalben auf den Markt, von denen eigentlich nur das zweite den Grundstein ihres weltumspannenden musikalischen Ruhms legte. Der Rest ihres Daseins füllt sich mit medial breitgetretenen psychischen und physischen Problemen, mit Drogenabstürzen, heiklen Beziehungsgeschichten, rauschenden Partys und (zu seltenen) Klinikaufenthalten. Ein Kreuzweg des sporadischen Erfolgs und des grossen Leidens. Dafür trug der Regisseur eine beeindruckende Menge an Material zusammen.