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Kritiken

Kino

02. März 2012

Shame

Schon die ersten acht Minuten, getragen von streng komponierten, wortlosen und langen Cinemascope-Einstellungen sowie einem sehr kontrollierten Schnitt, geben eine Stimmung vor, die sich wie ein bleierner Schleier über den Film legt und bis zum Ende anhalten soll: irritierend, kühl, beklemmend.

Kino

02. März 2012

Take Shelter

Der Blick gen Himmel verheisst nichts Gutes: es ist ein gewaltiger Sturm, den ein Mann heraufziehen sieht, gleich in der ersten Szene. Das mag sich gleich darauf als Albtraum erweisen, aus dem der Mann schweissgebadet aufwacht, aber das Bild bleibt beim Zuschauer hängen – zu Recht, es ist das zentrale Bild von Take Shelter.

Kino

02. März 2012

Tyrannosaur

Der Film fällt mit der Tür in den Kinosaal. Er ist brutal, direkt, hart, dicht, schrecklich.

Kino

02. März 2012

We Need to Talk About Kevin

Es ist die Apokalypse des Mutterglücks. Das Neugeborene schreit und schreit, vor allem dann, wenn Mama es hält. Die ausgepumpte Eva stellt sich mit dem Kinderwagen mitten auf die Strasse, neben einen Presslufthammer, um das Geplärre zu übertönen. Es gibt nichts Schmerzhafteres als Tilda Swintons verkrampftes Lächeln, wenn sie das weinende Baby mit beiden Armen in die Luft stemmt – wie gerne würde sie es schütteln und weiss doch, dass sie das nicht darf.

Kino

02. März 2012

Young Adult

Irgendwann ist der 1978 geborenen Drehbuchautorin Diablo Cody bewusst geworden, dass sich ihre bisherigen Stoffe hauptsächlich um high school girls drehten. Gleichzeitig störte sie sich daran, dass im amerikanischen Kino kaum weibliche Varianten unsympathischer Anti-Helden vorkommen. In Young Adult interessiert sie sich deshalb am Beispiel der niemals erwachsen gewordenen Ghostwriterin Mavis Gary dafür, wie die typischen Figuren der High-School-Komödie ihr Leben als Enddreissiger meistern.

Kino

02. März 2012

The Turin Horse

«Am 3. Januar 1889 tritt Friedrich Nietzsche in Turin durch die Tür des Hauses Via Carlo Alberto 6.» So fangen konkrete Geschichten an. Eröffnen sie einen Film von Béla Tarr, dürfen wir misstrauisch sein.

Kino

11. Jan. 2012

Flying Home

In der Regel müssen Stoff und Personal eines Dokumentarfilms greifbar sein, ehe die Suche nach der Substanz konkret beginnt. Tobias Wyss kannte seinen Onkel überwiegend vom Hörensagen her, auch weil Walter Otto Wyss dreissig Jahre älter war; mehr aber noch ist der Hauptdarsteller von Flying Home abwesend, als der Filmautor nach der ersten Fährte tastet, und der angepeilten Figur ist schlecht habhaft zu werden.

Kino

11. Jan. 2012

Halt auf freier Strecke

Die Warnung gleich vorweg: dieser hemmungslos authentische Film über das Sterben ist kaum auszuhalten. Einerseits spricht das natürlich für die herausragende Qualität von Dresens Drama, das einen von der ersten Sekunde an schmerzhaft packt und danach nur gelegentlich den Griff ein wenig lockert, einen aber nie mehr loslässt. Andererseits drängt sich die Frage auf, wieso man sich das antun sollte. Eine Antwort darauf gibt der Film erst ganz am Ende, und sie fällt anders – unaufgeregter, selbstverständlicher – aus, als man das bislang aus dem Kino kannte.

Kino

11. Jan. 2012

Die Höhle der vergessenen Träume

Die Hobbyforscher unter der Führung von Jean-Marie Chauvet stiessen im südfranzösischen Tal der Ardèche auf einen schmalen Spalt in der Wand, konnten aber zunächst nichts weiter Aussergewöhnliches erkennen, wie Werner Herzog zu Beginn des Films in seinem Kommentar erzählt. «Aber dann, tief im Inneren, fanden sie das hier.» Und nun sieht man zum ersten Mal nicht nur die ältesten derzeit bekannten Höhlenmalereien der Welt, sondern mit Die Höhle der vergessenen Träume einen der aussergewöhnlichsten Dokumentarfilme der letzten Monate.

Kino

11. Jan. 2012

Hugo

Wer einmal erlebt hat, mit welcher Begeisterung Martin Scorsese bei Festivals restaurierte Filme vorstellt, mal persönlich, mal in Videobotschaften, oder auf DVDs den Audiokommentar spricht beziehungsweise sich im Bonusmaterial kenntnisreich über die Werke befragen lässt, weiss, was für ein grosser Cinephiler er ist. Mit Hugo entführt er uns in das Paris der dreissiger Jahre und in die Welt der frühen Kinematografie.

Kino

11. Jan. 2012

J. Edgar

Mehr als einundachtzig Jahre zählt Clint Eastwood, längst eine Legende seiner selbst. Und einen Film nach dem andern macht er noch, alle Jahre, bald komplex, bald weniger. Doch neugierig gehen wir hin, weil er längst - das war weiss Gott nicht immer so - sich nicht wiederholt, wie das manchem schon in weit jüngeren Jahren widerfährt. Auch mit J. Edgar ist Eastwood wieder für eine Überraschung gut.

Kino

11. Jan. 2012

Mon pire cauchemar

Mit Komödien ist es meist wie mit Volksweisheiten von der Art «Lachen ist die beste Medizin». Sie erscheinen konstruiert, um beweisen zu wollen, dass das Leben doch eine Art Revue der guten Laune zu sein hat. Für zwei Stunden mag das dann auch seine Berechtigung haben, bevor uns wieder die Patsche des alltäglichen Frustes trifft.