Durch vier Länder und drei Kontinente streift die Expedition mit Kamera und Mikrofon. Jede Schwingung, in die jemand den Erdkreis versetzen will, fängt damit an, dass man schon ’mal selber loszittern muss.
Darf die Kritikerin dieses unzweifelhaft gut gemeinte Werk, das in eine Zeit hitziger Grenzen-Diskussionen fällt, auf Grund laufen lassen? Ungern. Und doch gilt für Oltre il confine: hehre Absicht und ihr gelungener kreativer Niederschlag sind zwei verschiedene Dinge.
Wenn man in Patricia Plattners Schaffen von einer Konstante sprechen will, so wäre hier als einigende Klammer die Neugier auf fremde Kulturen und die Faszination des Reisens zu nennen. Les petites couleurs geht eigene Wege. Der Film liebäugelt erst etwas mit der Tragödie, streift immer wieder einmal das Drama und wechselt dann ins Komödienfach.
Unter dem Titel Mani Matter – warum syt dir so truurig? legt Friedrich Kappeler einen Film über den Berner Mundart-Chansonnier beziehungsweise Troubadour vor, der im November 1972 erst 36-jährig gestorben ist. Er blieb jedoch unvergessen, nicht nur in Bern.
Der Titel von Samirs dieses Jahr in Locarno mit dem Preis der Jury der Kritikerwoche ausgezeichnetem neuem Film ist nicht als subversive Aufforderung an den derzeitigen amerikanischen Präsidenten gedacht, auch wenn er sich diesem als Quintessenz einer allfälligen Kenntnisnahme seines Inhalts wohl aufdrängen würde. Forget Baghdad ist vielmehr eine informative, persönliche und teils auch witzige Innenansicht des Nahostkonflikts über Jahrzehnte hinweg.
Sind Mütter die besseren Väter? Oder verhält es sich gar umgekehrt? Den Nachweis muss heute niemand mehr erbringen. Auch Dani Levys Spielfilm Väter klärt die Frage nicht, greift aber exemplarisch ein geschlechterpolitisch nach wie vor brisantes Thema auf.
Was in Bauernkrieg mit seiner (notabene durchaus angebrachten) politischen Härte noch handfeste Methode war, gerät schon in Sennen-Ballade und jetzt deutlicher noch in Hirtenreise ins dritte Jahrtausend zu einem empirischen Erzählen. Es folgt mehr und mehr der Intuition und dem vorgefundenen Detail und überrundet jede präparierte These. Nomaden haben keine Ziele auf der andern Seite der nächstfolgenden Etappe.
Dieter Gränicher will mit seinem Film mithelfen, ein Tabu zu brechen. Der Regisseur, diskret im Hintergrund, setzt buchstäblich auf Stimmungen. Er fokussiert das Seelenleben der Porträtierten, ohne es zu erklären.
«Keinesfalls aber wollte ich», sagt Norbert Wiedmer, «mich Bruno Ganz biographisch nähern.» Ausfragen wollte er ihn offenkundig auch nicht, also begleitete er ihn zu den Proben und Aufführungen von «Faust» in der Inszenierung von Peter Stein, zu den Lesungen von Texten der Nobelpreisträger T.S. Eliot und Giorgos Seferis für die CD «Wenn Wasser wäre».
Es mutet ein bisschen skurril an, wenn zu Beginn von Urs Eggers neuem Film Epsteins Nacht ausgerechnet drei Juden am Abend des christlichen Weihnachtsfests einen Empfang geben – samt geschmücktem Weihnachtsbaum in der Stube. Doch dies ist der geschickte Auftakt zu einer Geschichte, die anschaulich macht, welche unmenschlichen Folgen jüdische Vergangenheiten in Deutschland auch in der Gegenwart noch haben.