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Nightmare 22

Gay Panic

Im Bereich des Rechts ist «gay panic», die Angst vor Schwulen, eine perfide Verteidigungsstrategie homophober Straftäter. Im Kino hingegen ist die Sache komplizierter – und interessanter. Eine Reihe von Horrorfilmen der Achtzigerjahre führt vor, dass die Verknüpfung von Homosexualität und anti­sozialen Impulsen auch befreiende Effekte zeitigen kann.

Text: Michael Kienzl / 13. Juni 2019

Die Produktionsfirma Sidney Davis Productions spezialisierte sich zwischen den Fünfziger- und Siebzigerjahren auf Aufklärungsfilme für Schulen. Häufig dienten diese als drastische Warnung vor typischen Problemen älterer Jugendlicher, etwa vor Drogen, Arbeitslosigkeit oder Geschlechtskrankheiten. 1961 drehte Firmenchef Sid Davis einen Kurzfilm, der vom Inglewood Police Department in Los Angeles koproduziert wurde und vermutlich mit den besten Absichten entstand. Boys Beware war gewissermassen die Verfilmung der elterlichen Anweisung, nicht mit Fremden mitzugehen.

In verschiedenen Episoden wird darin von älteren Männern erzählt, die an einer schrecklichen Krankheit namens Homosexualität leiden. Sie lungern auf Basketballplätzen und öffentlichen Toiletten herum oder bieten Teenagern an, sie mit dem Auto mitzunehmen. Sie geben sich dabei als verständnisvolle Freunde und wollen doch etwas ganz anderes. Was einem blühen könnte, wenn man sich mit diesen unauffälligen Typen einlässt, sehen wir anhand einer beklemmenden, mit dramatisch aufpeitschender Musik untermalten Verfolgungsszene, in der ein Junge namens Bobby von einer schwarzen Silhouette gejagt wird.

Mehr als zwanzig Jahre nach diesem bösartigen, wenn auch aus heutiger Perspektive eher unfreiwillig komischen Warnhinweis beschwor Hollywoodregisseur Robert Harmon ein sehr ähnliches Bedrohungsszenario herauf. Bereits das Poster von The Hitcher (1986) erinnert an die Verfolgungsszene aus Boys Beware: Während im Rückspiegel eines Autos die erschreckt aufgerissenen Augen des damaligen Teenie-idols C. Thomas Howell zu sehen sind, befindet sich darunter ein Tramper, der nur als unheilvoller Schatten gezeigt wird. [...]

Den ganzen Essay können Sie in der Printausgabe von Filmbulletin lesen: Ausgabe 4/2019 bestellen

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Dieser Artikel ist in der Printausgabe Nr. 4/2019 erschienen. Stöbern Sie in unserem Ausgabenarchiv.

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