Sommerferien! Für die elfjährigen Wirbelwinde und BFFs Pola (Neah Hefti) und Polly (Zazie Mawete) bedeutet das vor allem eines: ab ins Schwimmbad! Das «Plitsch Platsch» ist eine Institution in der fiktiven Deutschschweizer Durchschnitts-Kleinstadt Rotwil (ein Komposit aus Zürich, Winterthur, Greifensee und Bremgarten AG); und weil Pollys Eltern den Badi-eigenen Foodtruck betreiben, ist die standesgemässe Portion Pommes frites nach getaner Planscherei und überstandenem Sprungbrett- und Wasserrutschen-Nervenkitzel sogar gratis. Das Leben könnte nicht besser sein.
Doch schon am dritten Ferientag kollabiert der Wasserfilter – und mit ihm die Routine, an die sich die beiden Mädchen gewöhnt haben. Nicht nur will sich der Stadtrat endlich vom teuren Schwimmbad trennen und das Land an ein Bauunternehmen verscherbeln; Pollys Eltern sehen mit diesem Einschnitt den Moment gekommen, um zu Verwandten in Toronto zu ziehen. Pola ist am Boden zerstört und schmiedet einen Plan, um den geliebten Status quo ante wiederherzustellen: Zusammen mit der schlauen Rosalie (Alva Maurer) will sie die Rotwiler Stadtpräsidentin (Michèle Rohrbach) dazu bringen, das Plitsch Platsch am Leben zu erhalten – denn dann könnte auch Polly wieder nach Hause kommen. Oder?
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Das Rad erfinden Regisseurin Natascha Beller (Die fruchtbaren Jahre sind vorbei) und Drehbuchautorin Sabina Gröner mit ihrer Version eines beliebten Kindergeschichtenmotivs nicht neu. Natürlich wird Pola lernen müssen, dass sich Veränderungen wie der Wegzug der besten Freundin nicht einfach ungeschehen machen lassen. Natürlich wird sie – unter kräftiger Mithilfe von Rosalie und dem Rest der Rotwiler Jugend – ihre kindliche Ichbezogenheit hinterfragen müssen. Und natürlich erhält das Plitsch Platsch dank des beherzten Einsatzes aller Beteiligter noch einmal eine zweite Chance.
Zwischen den vom Genre diktierten Erzählstationen finden Beller und Gröner aber immer wieder Gelegenheiten, um Plitsch Platsch Forever! ihren persönlichen Stempel aufzudrücken. Gerade Bellers Erfahrung mit Sketch-Comedy – sie war Teil des Autor:innenteams der SRF-Late-Night-Show Deville (2016–2023) – erweist sich als wertvolles Gegengewicht zur formelhaften Erzählung: Verfremdungseffekte sorgen für dynamischere Exposition – Stichwort: Frau Professorin Rosalie –, visuelle Spielereien, komödiantisch überhöhte Nebenfiguren und unaufdringliche Running Gags etablieren Rotwil als leicht absurde Fantasiewelt. Schade nur, scheint der von den Figurennamen Chapuisat und Yakin angerissene Fussball-Nati-Witz auf dem Boden des Schnittraums liegen geblieben zu sein.
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Gleichzeitig ist Plitsch Platsch Forever! aber auch eine durchaus ernst gemeinte Hommage an die Notwendigkeit kommunaler Infrastruktur und politischer Partizipation. Mit seinem Bild einer von Jung und Alt genutzten Badi, die einer Luxus-Überbauung weichen soll, ist der Film thematisch nicht allzu weit entfernt von einem Der Mann auf dem Kirchturm, der den schleichenden Tod des klassischen Dorfkerns beklagt, oder von einem Brunaupark (2024), in dem die Politik der Profitoptimierung auf Kosten der mittelständischen Lebensqualität angeprangert wird.
Und weil Plitsch Platsch Forever! eben in einem ins Positive gewendeten – und nachdrücklich multikulturellen – Seldwyla spielt, ist die Schlussfolgerung klar: Nur das direktdemokratische Instrument der Petition kann das öffentliche Gut noch retten. Früh übt sich.