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Street Fighter
© 2026 Paramount Pictures

Weniger wäre mehr: Street Fighter

Eine Game-Verfilmung, die Punches liefert, aber wenige landet.

Text: Selina Hangartner / 15. Okt. 2026
  • Regie

    Kitao Sakurai

  • Buch

    Gary Dauberman, T. J. Fixman, Dalan Musson, Kitao Sakurai

  • Kamera

    Ken Seng

  • Schnitt

    Luke Lynch

  • Musik

    Leo Birenberg, Zach Robinson

  • Mit

    Noah Centineo, Andrew Koji, Callina Liang, David Dastmalchian, Jason Momoa

  • Start

    15. Oktober 2026

«Street Fighter» ist nach «Resident Evil» bereits der zweite Neunziger-Videospielklassiker des japanischen Unternehmens Capcom, der innerhalb kurzer Zeit neu fürs Kino adaptiert wird. In dieser Urvariante des Fighting-Game-Genres tritt man seit 1987 (zunächst an Spielhallenautomaten im charmant pixeligen 2D-Szenario) als Figuren – stets mit spezifischen Kampfstilen ausgestattet – zum Zweikampf an. Richtig populär wurde das Franchise ab 1991 mit «Street Fighter II», in dem man erstmals zwischen verschiedenen Figuren wählen konnte.

Ich rolle das Feld ausführlich auf, da dieser neue Street Fighter von allen Kinogänger:innen, die mit der Spielreihe nicht vertraut sind, überraschend viel Mitarbeit einfordert. Der Film liefert zwar Vorgeschichten und figurenetablierende Schlüsselmomente en masse, diese aber in einer so überwältigenden Fülle und Geschwindigkeit, dass man sich bald selbst fühlt, als hätte man eine Faust auf die Nase bekommen.

Daher nochmals der Fokus aufs Wesentliche: Weil man zwischen verschiedenen Kämpfer:innen wählen kann, erwies sich «Street Fighter» als äusserst kreativ darin, Figuren mit individueller Herkunft, pseudo-ethnischen Kampfstilen und persönlichen Motivationen auszustatten, um zu erklären, weshalb und wie sie sich an den Kampfturnieren um den Titel schlagen.

Street Fighter 1

© 2026 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Die Figuren sind das Charmante am Spiel, und sie sind die Stärke dieser quirlig-kitschigen Filmadaption: Da wäre der demütige Ryu (Andrew Koji), der mit japanischen moves antritt und dessen eigene dunkle Seite sein grösster Gegner ist. Aufgewachsen ist er, als Waisenkind, Seite an Seite mit dem selbstverliebten, aber gutmütigen rich kid Ken Masters (Noah Centineo) – zwei wie Öl und Wasser –, wobei der einst brüderliche Bund nach dem Tod ihres Mentors zerbrochen ist.

Ob das Reparieren dieser kleinen Wahlfamilie der zentrale Handlungsstrang von Street Fighter sein wird? Der Auftakt deutet es an, wenn die Rekrutin Chun-Li (Callina Liang), ihres Zeichens selbst Martial-Arts-Expertin, die beiden Kämpfer jeweils aufsucht und nach Thailand ans Turnier lockt. Aufgrund der schieren Menge an parallelem Geschehen geraten die beiden schon bald aber immer mehr aus dem Blick: Denn wir lernen den Bösewicht M. Bison (David Dastmalchian) kennen, der das Turnier aus finsteren Beweggründen organisiert hat. Um ihn herum gruppiert sich eine bunte Schar, der maskierte Kämpfer Vega (Orville Peck) etwa, oder Cammy (Mel Jarnson), die ihrem Führer in Sadomaso-inspirierter Manier bedingungslos hörig zu sein scheint.

Was der Nazi-ähnliche M. Bison sonst noch im Schilde führt, was sich die schöne Cammy und der gleichsam schöne Vega (die Maske trägt er, um das Gesicht im Kampf zu schützen) von ihrer Allianz mit Bison versprechen, weshalb dieser ein Gefängnis in Thailand betreibt und dort auch das Grossmaul Don Sauvage (Eric André) festhält, entschlüsselt sich im Film immer nur bruchstückhaft. Wobei im Fall von Sauvage immerhin nachvollziehbar wird, dass dieser einst den Fehler machte, sich als Medienpersönlichkeit schlecht über Bison zu äussern, und nun wohl die Gelegenheit erhält, Vergangenes wettzumachen, indem er das Turnier in Thailand kommentiert. Irgendwie scheint er aufgrund einer persönlichen Geldwette besonders Ken Masters keinen Sieg zu gönnen, während dieser sich nach egomanischen Startschwierigkeiten nun Runde um Runde gut schlägt.

Street Fighter 2

© 2026 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Apropos Grossmaul mit Medienecho: Dass Manosphere-Podcaster Andrew Schulz als Dan Hibiki, ein weiteres Puzzlestück in diesem mittlerweile regelrecht unübersichtlichen Bild an Charaktereigenschaften und Kampfstilen, gecastet wurde, bleibt genauso nebulös wie der weitere Verlauf der Filmerzählung, die in Street Fighter übersaturiert und deshalb seltsam leer wirkt. Immerhin war Dan Hibiki schon seit seinem ersten Auftritt in «Street Fighter Alpha» (1995) als Parodiefigur angelegt, arrogant und mühsam, als Seitenhieb auf verwandte Fighter-Games, die auf der Popularitätswelle opportun mitritten. Das macht die Anwesenheit Schulz’, dem vorgeworfen wird, Donald Trump durch gemeinsame Podcastauftritte einer neuen Generation sympathisch gemacht zu haben, zugegebenermassen um einiges erträglicher.

Ansonsten ist am Casting wenig auszusetzen. An der Besetzung von Vega mit dem muskulösen Countrysänger Orville Peck, der auch im echten Leben die musikalische Bühne stets mit einer Maske im Gesicht betritt, zeigt sich, zu wie viel doppelbödigem Spass Street Fighter zwischendurch aufgelegt ist. Dazu passen auch der durchwegs ironisch-komödiantische Ton, die Lust an visuellem Retro-Kitsch und Metaverweise nicht nur auf das langlebige Franchise, sondern auch auf die augenscheinliche Homoerotik des spielerischen Unterfangens und die dazu etwas paradoxe Ausrichtung auf eine heterosexuelle männliche Kundschaft: etwa, wenn Chun-Li unter die Dusche tritt, ihr Körper durch den aufsteigenden Wasserdunst vorübergehend verdeckt wird und wir, als sich der Dunst verflüchtigt, nicht ihre Brüste entdecken, sondern dank eines Match-Cuts jene des Sumo-inspirierten E. Honda (Hirooki Goto).

Street Fighter 3

© 2026 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

E. Honda – noch ein Fighter also, der es in die Filmadaption geschafft hat? Selbstverständlich, denn die 2026er-Adaption lässt fast nichts aussen vor. Noch war hier nicht die Rede vom amerikanischen Wrestling-Profi Cody Rhodes als blondem Americana-Mohawk-Kämpfer Guile, den man im Film leider kaum bei seiner Arbeit sieht, so rasant muss über seinen Einsatz hinwegerzählt werden, oder vom Auftritt des Rappers Curtis «50 Cent» Jackson als Balrog, von Jason Momoa als CGI-aufpoliertem Blanka, einem Kämpfer, der ein Aal-Hybrid ist und entsprechend Strom fliessen lässt, nur um alsbald wieder das Feld zu räumen für weitere Figuren und Momente, die ultimativ konsequenzenlos bleiben.

Die Rede war auch noch nicht von den hyperartifiziellen, hochstilisierten Settings, von denen man einige eigentlich gern etwas länger betrachtet hätte, den zahlreichen Hommagen ans Jahr 1993, in dem der Film spielt (inklusive «Black Hole Sun» von Soundgarden als Teil des Soundtracks), von den Flashbacks, die als hübscher Anime gestaltet sind, von den Anleihen nicht nur an die Spiele, sondern auch an die Verfilmung von 1994, die ein berüchtigter narrativer und ästhetischer Flop und dann doch noch ein kleiner Kultliebling wurde, oder den gelungenen Choreografien, welche die typischen Kampfbewegungen der Figuren imitieren und Fans des Franchise besonders erfreuen mögen.

Die Summe des Ganzen wird zum grossen Nachteil dieses Films, der eigentlich die richtigen Zutaten für reinen, wunderbar belanglosen Kinospass-des-Spasses-willen gehabt hätte: Zu viel von allem und darum zu wenig des Guten – ein gehetztes Erzählen aller Storylines, wobei schlussendlich nur noch wenig wichtig scheint. Geistreiche Figuren und gute Punches werden zu knapp abgehandelt, als dass daraus geniessbares visuelles Spektakel hätte werden können: Street Fighter kommt aus dem Rhythmus des Nacherzählens nie in die filmische Gegenwart und ist nach zwei Stunden vorbei, ohne dass er je richtig gestartet ist.

 

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