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Supergirl
© 2026 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Supergirl im Genre-Käfig

Auf Superman folgt Supergirl: Das neu lancierte DC-Comics-Franchise stösst bereits an die Grenzen der eigenen Vorstellungskraft.

Text: Alan Mattli / 24. Juni 2026
  • Regie

    Craig Gillespie

  • Buch

    Ana Nogueira

  • Kamera

    Rob Hardy

  • Schnitt

    Fred Raskin, Tatiana S. Riegel

  • Musik

    Claudia Sarne

  • Mit

    Milly Alcock, Eve Ridley, Matthias Schoenaerts, Jason Momoa, David Corenswet

  • Start

    25. Juni 2026

Jahrelang galt: Was Marvel hat, das hätten die Konkurrent:innen von DC Comics gerne – ein funktionierendes Leinwanduniversum. Bis zum grossen Erzählbogen-Abschluss Avengers: Endgame (2019) war das Marvel Cinematic Universe quasi unantastbar, Filme wie Iron Man (2008), Guardians of the Galaxy (2014) und Black Panther (2018) liessen die Kinokassen klingeln und bescherten der Marke jede Menge kulturelles Kapital. Die DC-Produktionen dieser Zeit, darunter Man of Steel (2013), Suicide Squad (2016) und Wonder Woman (2017), schrieben zwar überwiegend auch keine roten Zahlen – im Gegenteil –, doch so richtig wollte der Pitch, die kernigere, düsterere, brutalere Alternative zu Marvel zu sein, nie funktionieren. Das DC Extended Universe wurde 2023 nach einer Reihe kommerzieller Enttäuschungen offiziell beerdigt.

Aus dessen Asche erhob sich letztes Jahr das new and improved DC Universe: Unter der Regie von Ex-Marvel-Mann James Gunn erzielte ein vergnüglicher Superman-Reboot respektable Einspielergebnisse und weitgehend zufriedene Kritiker:innen. Die Stossrichtung war klar zu erkennen: Gunn, der auch als Franchise-Koordinator waltet, orientierte sich am poppigen Marvel-Erfolgsrezept der 2010er Jahre, sichtlich bemüht darum, die DC-Comicverfilmungen vom Ruf zu befreien, sie würden allzu verzweifelt versuchen, den pechschwarzen Nihilismus von Regisseur und Produzent Zack Snyder (Man of Steel, Justice League) zu imitieren. Zeit für DC, die verpasste Glorie nachzuholen – gerade jetzt, da sich Marvel noch immer mit dem Endgame-Hangover schwertut und weiterhin Mühe bekundet, zu alter popkultureller Relevanz zurückzufinden.

Supergirl 1

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Supergirl bestätigt die strategische Neuausrichtung. Inszeniert von Craig Gillespie (I, Tonya, Cruella) und verfasst von Ana Nogueira, handelt der zweite Eintrag in Gunns Relaunch-Universum von Supermans jüngerer Cousine Kara (Milly Alcock), die mit ihrem überdrehten Hund Krypto ziellos durchs Weltall gondelt, die Anrufe von der Erde ignoriert und scheinbar jede Alien-Bar in der Galaxis um ein paar Flaschen Fusel erleichtert. Doch der alkoholgetränkte Müssiggang hat ein Ende, als Kara auf die Vollwaise Ruthye (Eve Ridley) trifft, die nach Schützenhilfe sucht, um Blutrache am grausamen Banditen Krem (Matthias Schoenaerts) zu nehmen – ein Auftrag, der für Kara plötzlich äusserst persönlich wird, als Krem ihren geliebten Krypto vergiftet und sich mit dem Antidot davonmacht.

Mit anderen Worten: ein Superheldinnenfilm, wie er auch 2014 hätte im Kino laufen können. Dass das durchaus seinen Reiz haben kann, hat Superman bewiesen; und auch Supergirl kann sich innerhalb der Genre-Einschränkungen mitunter profilieren. Gerade Milly Alcock (House of the Dragon) besticht mit ihrer Darstellung einer tollpatschigen jungen Erwachsenen, welche sich die – nicht gänzlich aus der Luft gegriffene – Persona einer abgebrühten Aussteigerin aneignet, um damit die eigene Verletzlichkeit zu übertünchen. Man mag das Figurenschema aus anderen Marvel- und DC-Filmen kennen, aber Alcock findet mit ihrem ausdrucksstarken Mienenspiel und ihrer physischen Präsenz einen authentischeren Zugang, als es etwa einem Chris Pratt (Guardians of the Galaxy) oder einer Brie Larson (Captain Marvel) gelang. Zur Hand geht ihr da auch ein Drehbuch, das nicht, wie es Filme in dieser Tonlage gerne tun, jeden emotionalen Moment zwanghaft zu Tode witzelt, sondern dem Quellenmaterial auf Augenhöhe begegnet. (Dass im Film zwei Planeten nach Zeichner Bilquis Evely respektive DC-Redaktorin Brittany Holzherr benannt sind, unterstreicht dies gleich doppelt.)

Supergirl 2

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Wem das wie bemühtes Perlentauchen vorkommt: Falsch ist der Eindruck nicht. Denn die Kehrseite eines Films, der sich so dezidiert nach einer Blockbuster-Formel richtet, die vor zehn Jahren ihren Höhepunkt erlebte, ist eben eine gewisse Leere, ein Gefühl der obligaten Repetition. Weder Gillespies anonym-kompetente Regie noch Nogueiras Skript, das genrekonform von Star Wars-Cantina-Hommage zu CGI-Schlägerei zu traumatischer Rückblende zu Star Wars-Cantina Hommage springt, sind letztlich spannend oder überraschend oder ausgefallen genug, um Karas Abenteuer 100 Minuten lang zu tragen.

So wähnt man sich schliesslich in einer seltsam passionslosen Pflichtübung: Das, was auf der Leinwand läuft, ist zweifelsfrei ein Superheldinnenfilm, vielleicht sogar das ultimative Genre-Destillat – aber man fragt sich irgendwann, warum diese Filme das Kino so lange dominieren konnten.

 

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