Filmbulletin Print Logo
The Super Mario Galaxy Movie
© 2026 Nintendo and Universal Studios

Hauptsache, Nintendo ist mit The Super Mario Galaxy Movie zufrieden

Auch der zweite Super-Mario-Film vom Animationsstudio Illumination stösst an die Grenzen der Vorlage – und versucht, sich mit Anspielungen zu behelfen.

Text: Alan Mattli / 01. Apr. 2026
  • Regie

    Aaron Horvath, Michael Jelenic

  • Buch

    Matthew Fogel

  • Musik

    Brian Tyler

  • Mit

    Chris Pratt, Charlie Day, Anya Taylor-Joy, Jack Black, Brie Larson, Benny Safdie

  • Start

    1. April 2026

Dass Filme, die auf Videospielen basieren, grundsätzlich schlecht sind, galt gut zwei Jahrzehnte lang als unumstössliche Kino-Tatsache. Ursprung dieser Binsenweisheit war nicht zuletzt die erste abendfüllende Realspielfilm-Game-Adaption aus den USA, die auch heute noch herrlich abseitig wirkende Hollywood-Kuriosität Super Mario Bros. (1993). Wer damals mit der Hoffnung ins Kino ging, die titelgebenden italienischen Super-Klempner würden unter der Regie von Rocky Morton und Annabel Jankel durch ein Abenteuer hüpfen, das jenen, die sie auf diversen Nintendo-Konsolen bereits erlebt hatten, einigermassen entsprach, wurde bitter enttäuscht: Anstatt bunter Landschaften und cartoonhafter Reptilien- und Pilz-Gegenspieler:innen warteten ein düster-dystopischer New-York-Verschnitt und bizarre Mensch-Tier-Hybride.

2023 reichte Nintendo in Zusammenarbeit mit Universal Pictures und dem Minions-Animationsstudio Illumination die von vielen Mario-Fans lang ersehnte Entschuldigung nach: The Super Mario Bros. Movie von Aaron Horvath und Michael Jelenic erzählte quietschbunt und voller Referenzen auf die heiss geliebten Games von der Ankunft von Mario (Stimme: Chris Pratt) und Luigi (Charlie Day) im Pilzkönigreich von Prinzessin Peach (Anya Taylor-Joy) und ihrem Kampf gegen den bösen Schildkrötendrachen Bowser (Jack Black). Die Anforderungen der Purist:innen wurden erfüllt, die kreativen Freiheiten auf ein Minimum heruntergefahren: Der «echte» Super Mario war auf der Leinwand angekommen.

The Super Mario Galaxy Movie 1

© 2026 Nintendo and Universal Studios

Über den Mehrwert dieses Unterfangens liess sich streiten, hielt sich der Film doch so genau an die visuelle und weltenbildnerische Sprache der Vorlagen, dass sich die fehlende Interaktivität der Affiche unerwartet stark bemerkbar machte. Dem finanziellen Erfolg tat dies indes keinen Abbruch: The Super Mario Bros. Movie knackte die Milliardenmarke an den Kinokassen mühelos.

An einer Fortsetzung führte also kein Weg vorbei, und The Super Mario Galaxy Movie führt die adaptive Philosophie seines Vorgängers zielstrebig weiter: Es geht darum, die Zuschauer:innen für ihr Nintendo-Wissen zu belohnen. Nachdem Horvath, Jelenic und Autor Matthew Fogel im ersten Teil die Grundpfeiler der Mario-Welt etablierten – Mario, Luigi, Peach, Toad, Bowser, Koopas, Gumbas, Warp-Rohre –, arbeiten sie sich nun zum erweiterten Universum vor: Die Prinzessin in Not ist dieses Mal die kosmische Sternenmutter Rosalina (Brie Larson) aus der Nintendo-Wii-Ära; bedroht wird sie vom fiesen Emporkömmling Bowser Jr. (Benny Safdie); das Rettungsteam um Mario und Peach wird um einen geläuterten (?) Bowser, den liebenswerten Dinosaurier Yoshi (Donald Glover) und den coolen Weltall-Outlaw Fox McCloud (Glen Powell) ergänzt.

Den direkten Vergleich mit The Super Mario Bros. Movie muss dieses Sequel nicht scheuen. So, wie sich der erste Film zumindest implizit als Wiedergutmachung für Super Mario Bros. gerierte, nimmt The Super Mario Galaxy Movie vor allem dort kosmetische Verbesserungen vor, wo Fans vor drei Jahren Mängel feststellten: Die rasanten und dynamisch animierten Actionsequenzen sind jetzt harmonischer in die Handlung integriert, und auch mit den willkürlich ausgewählten Achtzigerjahre-Hits auf dem Soundtrack ist Schluss. An ihrer Statt sind nun vermehrt Neuinterpretationen von klassischen Mario-Melodien zu hören.

The Super Mario Galaxy Movie 2

© 2026 Nintendo and Universal Studios

Am seltsam synthetischen Gesamteindruck ändert das aber letztlich wenig. Dieser Mario bleibt spürbar ein CEO-abgesegnetes Sitzungszimmer- und Fokusgruppenprodukt, das in erster Linie auf wirtschaftliche Synergien zwischen Game- und Kinderfilmindustrie abzielt. Solche Strategien sind nichts Neues in Hollywood, doch in The Super Mario Galaxy Movie wirken sie ganz besonders fadenscheinig.

Denn der maximal generische Plot, der – erneut – in interaktiver Form wohl weitaus besser funktionieren würde, stösst bald einmal an die natürlichen dramatischen Grenzen der quellenmaterialbedingt eindimensionalen Gamefiguren und sucht stattdessen das Heil in der Anspielung: Der emotionale Kern sind hier weder Marios alibimässig eingeflochtene Verliebtheit noch Bowsers schwammige Charakterentwicklung, sondern die allzu flüchtigen Dopamin- und Nostalgieschübe, die mithilfe von bekannten Soundeffekten und Nebenfiguren aus der Franchise-Historie aktiviert werden sollen. Man kann über Super Mario Bros. sagen, was man will – aber immerhin erhitzt er auch mit 33 Jahren noch die Gemüter. Ob das reibungslose Mittelmass von The Super Mario Bros. Movie und The Super Mario Galaxy Movie ähnlich langlebig ist, darf bezweifelt werden.

 

Weitere Empfehlungen

Interview

26. März 2026

Filme und Games – wie passt das zusammen?

Wie beeinflussen Videospiele die Vorstellung von Kino? Inwiefern prägen Filme trotz ihrer linearen Erzählstrategien die Ideenwelt interaktiver Games? Wir haben Menschen vom Fach gefragt, die sich professionell mit Film und Games beschäftigen.

Fokus Videogames

26. März 2026

Aus Pixeln in die Filmgeschichte

Pokémon, Orks und Zombies – im Verlauf von über 40 Jahren haben Videospiele auch Filmgeschichte geschrieben. Mutig voran ging ein kleiner Klempner.