Filmbulletin Print Logo
All of the Marvels

Unendliche Geschichte II

Hätte der Marvel-Verlag alle seine geplanten Filmprojekte realisiert, wäre das Marvel Cinematic Universe (MCU) bereits in den 1980ern entstanden. Doch Pläne für Filme wie Black Panther mit Wesley Snipes, Brigitte Nielsen als She-Hulk oder Dr. Strange unter der möglichen Regie von Francis Ford Coppola (!) wurden nie umgesetzt.

Text: Giovanni Peduto / 10. Aug. 2022

Mit wenig Erfolg erschienen hingegen Howard the Duck (1986), The Punisher (1989) oder Captain America (1990). All dies wird auf wenigen Seiten von Douglas Wolks Buch «All of the Marvels» zusammengefasst. Doch eigentlich sind nicht die Verfilmungen das Thema, sondern die über 27'000 Comichefte, die Marvel seit 1961 publiziert und die Wolk alle gelesen hat.

Spannend und unterhaltsam verfolgt Wolk – ohne jegliche Chronologie, sondern nach Lust und Interesse – die Reise einzelner Figuren und deren Wandlung mit der Zeit (oder eben nicht). Er stellt Verknüpfungen zwischen den Anfängen und den heutigen Geschichten her, beschreibt einige der spannendsten und innovativsten Geschichtszyklen, befasst sich kritisch mit der (fehlenden) Vertretung nicht-Weisser Ethnien und gibt einen grossartigen Einblick hinter die Kulissen des wohl längsten Märchens der Welt. Das Buch ist sowohl für Comic-Aficionados als auch für solche, die Nachhilfe bei den MCU-Filmen benötigen, unentbehrlich.

Douglas Wolk: All of the Marvels: A Journey to the Ends of the Biggest Story Ever Told. New York: Penguin. 384 S. CHF 42 / EUR 23

Dieser Artikel ist in der Printausgabe Nr. 4/2022 erschienen. Stöbern Sie in unserem Ausgabenarchiv.

Weitere Empfehlungen

Kurz belichtet

05. Okt. 2022

Kinoplakate

«Da meine Honorare weit über dem Durchschnitt lagen, wurde ich nur zu Spitzenfilmen herange-zogen», resümierte Josef Fenneker 1947. Was auf den ersten Blick etwas überheblich klingen mag, hat durchaus seine Berechtigung.

Kurz belichtet

11. Aug. 2022

Sensibles Präriedrama

«Ein Western für Leute, die keine Western mögen» schrieben die «Cahiers du Cinéma» 1959. Darin steckt ein wahrer Kern, denn dieser Film übt eine harsche Kritik an vielen Werten des Westerns, zumal an Konzeptionen von Männlichkeit, die sich nur in gewaltsamen Auseinandersetzungen beweisen kann.

Kurz belichtet

11. Aug. 2022

Verspäteter Kult auf Deutsch

Puritanisches Christentum gegen heidnische Riten: The Wicker Man ist ein Unikat, ein film maudit, in dem der Schrecken in einer sommerlichen Landschaft angesiedelt ist.