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Goldfinger 2

Vorläufiges

Der Vorspann ist ein merkwürdiges Ding: Teil des Films und doch von diesem getrennt. Der Vorspann soll Informationen liefern und Stimmung machen für das Folgende, obwohl erals separate Einheit ganz anderen Regeln folgt als der Rest des Films. Ein Versuch, in sieben Denkschritten aufzuschreiben, was es mit dem Vorspann auf sich hat.

Text: Johannes Binotto / 22. Jan. 2019

Wann fängt der Film eigentlich an? Wir kennen das: Der Vorspann läuft schon, aber im Kino reden die einen immer noch weiter, während die anderen bereits konzentriert auf die Leinwand schauen. Es hat ja noch gar nicht recht angefangen, finden die Ersten. Es geht schon los, wissen wir anderen. Diese unterschiedliche Einschätzung gehört zum Vorspann. Notwendigerweise. Denn der Vorspann selbst scheint unentschieden. Er ist ein Schwellenphänomen, und wie die Schwelle eines Gebäudes führt er unterschiedliche Bereiche zusammen und gehört damit zu beiden Bereichen zugleich: Einerseits gibt der Vorspann Information darüber, wie der Film und wie die Leute heissen, die ihn gemacht haben. Ein Vorspann ist also wie das Geschriebene auf der Rückseite einer Raviolibüchse, wo man die Zutaten nachlesen kann. Wer unter Allergien leidet, schaut hier besser genau nach. Doch im Unterschied zum Infokästchen auf der Büchse gehört der Vorspann bereits selbst zu dem, was er ankündigt. Der Vorspann mit seinen Informationen über den Film ist selbst schon Teil des Films. Wir haben schon angefangen, die Ra­violi zu essen, während uns noch die Zutaten genannt werden. Obwohl der Vorspann seinem Namen nach noch vor dem Film kommt, hat der Film immer schon angefangen, wenn der Vorspann läuft.

Goldfinger 9

Statt bloss den Anfang zu markieren, macht die Schwelle des Vorspanns es also in Wahrheit gerade unmöglich, den Anfang genau zu bestimmen. Das zeigt sich eindrücklich bei einem der wohl bekanntesten Vorspänne überhaupt, den der Designer Robert Brownjohn für den James-Bond-Film Goldfinger gestaltet hat. Denn nicht nur, dass dieser Vorspann erst läuft, nachdem James Bond in einer sogenannten Pre-Title Sequence bereits seinen ersten Auftrag erfüllt, das erste Drogenlabor in die Luft gesprengt, die erste Frau geküsst und den ersten Schurken niedergestreckt hat. Auch der Vorspann selbst will nicht am Anfang bleiben, sondern springt schon in die Handlung vor, die er doch erst ankündigen sollte: Während Shirley Bassey den Titelsong singt und das Personal des Films aufgeschrieben wird, werden dazu auf goldene Frauenkörper Szenenbilder projiziert, die aus jenem Film stammen, der ja erst noch kommen soll. Der Vorspann ist also auch gleich noch Vorschau, so wie natürlich auch die goldenen Frauenkörper, die als Träger dieser Vorschaubilder dienen, eine spätere Filmszene vorwegnehmen, in der eine Frau ganz mit Gold überzogen in Bonds Bett liegen wird. Der Vorspann greift vor. Und zurück. Denn mindestens eines der Bilder, das in diesem Vorspann auftaucht, stammt gar nicht aus Goldfinger, sondern aus dem Vorgängerfilm From Russia with Love. Der Vorspann von Robert Brownjohn ist damit Erinnerung und Vorwegnahme zugleich – alles Mögliche, nur kein simpler Anfang…

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Dieser Artikel ist in der Printausgabe Nr. 1/2019 erschienen. Stöbern Sie in unserem Ausgabenarchiv.

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