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Kritiken

Kino

04. Juni 2014

L’amour est un crime parfait

Es gibt Filmemacher, die den Horizont lieben. Die unbegrenzte Weite beflügelt ihre Phantasie. Und es gibt Filmemacher, die es vorziehen, wenn sich vor diesen Ausblick Barrieren schieben. Sie mögen es, wenn ihr Erzählterrain von Bergen eingefriedet wird. Dass der Blick aufs Anderswo verstellt ist, bedeutet schliesslich nicht, dass sie ihrer Vorstellungskraft Schranken auferlegen müssten. Die Brüder Arnaud und Jean-Marie Larrieu gehören eindeutig zur zweiten Fraktion.

Kino

04. Juni 2014

Locke

Ivan Locke hat sich entschieden: Er wird sich jetzt in sein Auto setzen und sofort die Baustelle verlassen und von Birmingham nach London fahren, zu Bethan, um ihr bei der Geburt ihres Kindes beizustehen. Die war eigentlich erst in zwei Monaten anvisiert, das hätte ihm Zeit gegeben, Dinge zu regeln, doch dafür bleibt ihm jetzt nur noch diese eine Nacht. Und es gibt vieles zu regeln.

Kino

23. Apr. 2014

Los insólitos peces gatos

Wie sich die isoliert lebende Familie auf den Tod der immer heiteren Mutter vorbereitet, erzählt Sainte-Luce nicht frei von Pathos: Vor allem Marthas Vermächtnis, kleine Abschiedsbriefe an alle ihre Kinder inklusive Claudia, sind rührselig. Aber meistens konzentriert sich die Regisseurin auf die kleinen Routinen und unverhofften Zärtlichkeiten des Alltags.

Kino

23. Apr. 2014

Die andere Heimat

Fernsehzuschauer kennen bereits seine drei ausufernden Heimat-Serien, die 1984, 1993 und 2004 über die Bildschirme flimmerten und in zahlreichen Stationen ein anspruchsvolles Zeitgemälde deutscher Geschichte von 1919 bis zur Jahrtausendwende zeichneten. Nun geht Edgar Reitz noch weiter zurück, ins vorrevolutionäre Deutschland des Jahres 1840, und erzählt, wenn man so will, ein Prequel zu seinem Lebenswerk.

Kino

23. Apr. 2014

The Reunion / Återträffen

«Das Klassentreffen» müsste der Film auf Deutsch heissen, der zunächst davon handelt, wie die als Letzte eintreffende Anna ihren ehemaligen Klassenkameraden die Feier des Wiedersehens zwanzig Jahre nach Schulabschluss damit vergällt, dass sie bei Tisch aufsteht und zu erzählen beginnt, wie sie sich während der ganzen gemeinsam verbrachten neun Jahre gefühlt habe: ständig gemobbt, erniedrigt, bedroht und ausgestossen.

Kino

23. Apr. 2014

Snowpiercer

Es ist eine dieser Anekdoten, die man nicht überprüfen kann: Als der südkoreanische Regisseur Bong Joon-ho in einem Buchladen in Seoul die Graphic Novel «Le Transperceneige» aus dem Regal nimmt, soll er noch im Geschäft alle drei Bände verschlungen haben. 2005 war das. 2010 beginnt das Schreiben am Drehbuch, im Juli 2012 enden die Dreharbeiten. Snowpiercer hat Bong nicht mehr losgelassen.

Kino

23. Apr. 2014

Suzanne

Man muss sich bei diesem Film der vierunddreissigjährigen Regisseurin und Drehbuchautorin Katell Quillévéré als Zuschauer auf vieles einlassen: auf das Hingeworfene der Erzählung, auf das Elliptische, auf das Lakonische, auf das Angedeutete, auf das Nicht-zu-Ende-Erzählte. Quillévéré hat für Suzanne so etwas wie eine filmische Stenografie entwickelt, die verkürzt, ohne hastig zu sein, die verknappt, ohne etwas zu vergessen.

Junge Kritik

23. Apr. 2014

Tempo Girl

Dominik Locher will mit seinem Filmdebüt Tempo Girl die Geschichte seiner Generation erzählen und trifft mit der Unruhe den Nerv unserer Zeit.

Kino

23. Apr. 2014

Violette

Gleich auf Anhieb den ersten Satz zu finden ist ein Glück, das Schriftstellern im Kino ohne Zweifel häufiger widerfährt als im Leben. Er entscheidet ja so viel. Er soll den Leser locken, dessen Neugierde wecken, besiegelt vielleicht gar schon den Pakt, den der Autor mit ihm schliessen will. Wer weiss, ob der Auftakt zu Violette Leducs Debütroman «L’Asphyxie» nicht tatsächlich aus ihr heraussprudelte?

Kino

23. Apr. 2014

Paul Bowles: The Cage Door Is Always Open

Der amerikanische Komponist und Literat Paul Bowles (1910–1999) zählt zum innersten Zirkel der anarchischen, avantgardistischen Intelligenzia seit Ende der zwanziger Jahre. Über sein künstlerisches Schaffen hinaus wurde er auch als Privatperson zur mystischen Stilikone. Und zum Inspirator, Motivator, Animator von Künstlerzeitgenossen.

Kino

12. März 2014

Le Démantèlement

Schon der Titel kündigt von Niedergang: Le démantèlement lässt sich übersetzen mit «Zerschlagung», «Zerstörung». Um eine solche geht es vordergründig in diesem Drama: Als seine ältere Tochter sich in finanzieller Not an ihn wendet, entscheidet sich der dreiundsechzigjährige Schafzüchter Gaby, seinen Bauernhof zu veräussern.

Kino

12. März 2014

Casse-têtê chinois

Auch mit bald vierzig Jahren ist Xavier nicht vor romantischen Irrungen und Wirrungen gefeit und auf der Suche nach dem richtigen Platz im Leben. Cédric Klapischs neuster Film schliesst an die Vorgänger L’auberge espagnole (2001) und Les poupées russes (2004) an und lässt uns den Figuren, die wir vor rund fünfzehn Jahren in einer Studentenwohngemeinschaft in Barcelona kennengelernt und vor zehn Jahren in Paris, London und Sankt Petersburg wiedergesehen haben, aufs Neue begegnen.