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Kritiken

Kino

12. März 2014

The Grand Budapest Hotel

Zubrowka heisst das imaginäre Land, das Wes Anderson für The Grand Budapest Hotel kreiert hat. Der Name stammt nicht aus dem Hier und Heute. Es ist eine sehr, sehr ferne Zeit, in der der Film spielt, und eine fremde Welt: eine hermetisch abgeriegelte, die aber doch den Charme einer versunkenen Welt ausstrahlt.

Kino

12. März 2014

Her

In diese Stimme muss man sich einfach verlieben: freundlich, schalkhaft, tief, rau, immer in Gefahr, zu versagen oder sich zu überschlagen, besonders bei herzhaftem Lachen oder diebischer Freude. Eine Stimme, die Reife und Erfahrung ausstrahlt, von der erotischen Anziehung ganz zu schweigen, und natürlich gehört sie Scarlett Johansson. Das Besondere am neuen Film von Spike Jonze: Johanssons Stimme ist keinem Körper zugeordnet.

Kino

12. März 2014

Ida

Ida entsteht 2012 und kommt zum Schluss, dass sich die vorangegangenen Epochen neuerdings überblicken liessen, während von den eben begonnenen kaum noch etwas zu sehen sei. Der Film von Pawel Pawlikowski blendet ein halbes Jahrhundert zurück, in die frühen Sechziger mit ihrem zaghaften Wiederaufbau, um von dort einen Schritt weiter zu lenken: vor das Ende des Zweiten Weltkriegs.

Kino

12. März 2014

Nymphomaniac

Wenn die gequälte, sexsüchtige Joe (von Triers Muse Charlotte Gainsbourg) beim belesenen Seligman Busse tun will für eine nicht vollzogene Tat und in Rückblenden ihr sexuelles Erwachen und ihren Weg in die Abhängigkeit schildert, erhalten wir eigentlich Einblick darin, wie Lars von Trier mit Lars von Trier spricht. «Joe, c’est moi», könnte er Gustave Flauberts Identifikation mit seiner Romanfigur, der Ehebrecherin Emma Bovary, abwandeln.

Kino

12. März 2014

Tableau noir

Das gibt es in der Schweiz kaum noch: Eine Primarschule, in der sechs- bis zwölfjährige Mädchen und Buben gemeinsam unterrichtet werden, mehrheitlich von einer Lehrkraft. So wie es Gilbert Hirschi über vier Jahrzehnte in der École Primaire Intercommunale in Derrière-Pertuis, auf den Höhen des Neuenburger Juras, tat.

Kino

12. März 2014

Tokyo Family / Tokyo Kazoku

Make Way for Tomorrow von Leo McCarey war einer der grössten Flops im Hollywoodkino der dreissiger Jahre und zugleich einer der folgenreichsten Filme, die dieses Jahrzehnt hervorbrachte. Die Tragikomödie von 1937 handelt von einem älteren Paar, das sein Zuhause verliert und entdecken muss, wie überzählig es im Leben ihrer Kinder ist. Der Misserfolg war nachhaltig.

Kino

12. März 2014

Wakolda

Zum Auftakt gibt die Cinemascope-breite Leinwand den Blick frei auf eine Gruppe spielender Mädchen. Am nahen Haus lehnt ein Mann mittleren Alters, mittlerer Statur. Er sieht gut aus, ist gepflegt. «Desert Road, Patagonien, 1960» wird eingeblendet. Eines der Mädchen wird mit seinem Namen, Lilith, gerufen. Dann setzt die Erzählung ein.

Kino

22. Jan. 2014

Nebraska

Man kann den Sheriff schon verstehen, der den alten Mann mit den zerzausten Haaren, der dem Highway entlangmarschiert, anhält und als Vagabunden einstuft. Woody Grant allerdings hat ein Zuhause, auch eine Ehefrau und zwei Söhne, aber genauso hat er ein Ziel: seinen Hauptgewinn abholen.

Kino

22. Jan. 2014

Philomena

«Some of it is true.» Einiges davon sei wahr, heisst das; und so verhalte es sich unvermeidlicherweise, bliebe beizufügen. Mit den kargen fünf Silben quittieren die Angelsachsen allerlei fiktionalisierte Fakten oder faktionalisierte Fiktionen. Sie tun es immer dann, wenn es jene Schwelle zu bezeichnen gilt, die beim Wechsel vom einen zum andern überquert sein will: nach beiden Richtungen.

Kino

22. Jan. 2014

Shell

Eine gottverlassene, mythische Gegend ist der Schauplatz im ausgereiften, kammerspielartigen Beziehungsdrama des schottischen Regisseurs und Drehbuchautors Scott Graham (geboren 1974). Shell ist sein Spielfilmdebüt, eine Weiterentwicklung seines gleichnamigen Kurzfilms von 2006, der international für Aufsehen sorgte.

Kino

22. Jan. 2014

A Touch of Sin

China als ein Volk in Bewegung: So zeichnet Jia Zhang-ke in seinem neuen Spielfilm sein Heimatland. A Touch of Sin spielt in der Welt der Wanderarbeiter, dem gewaltigen Strom von armen Leuten aus der Provinz in die Metropolen und reichen Regionen, auf der Suche nach (oft illegaler) Arbeit.