Moderne amerikanische Kriegsführung lässt sich in vier Phasen einteilen, besagt ein alter, Anfang dieses Jahres wieder in Mode gekommener Witz. Zuerst fällt die US-Armee unter fadenscheinigen Vorwänden, dafür mit jeder Menge hurrapatriotischem Furor in irgendeinem Land ein – Vietnam, Irak, Afghanistan, Iran. Unweigerlich verwandelt sich dieser Feldzug, der ursprünglich nur ein paar Wochen, allerhöchstens ein paar Monate hätte dauern sollen, in einen jahrelangen Kriegsmorast, in dem tausende Soldat:innen verheizt und zehntausende Zivilist:innen zu Kollateralschaden werden. Später, in der Regel nach einem guten Jahrzehnt oder so, ist man sich einig, dass die Operation ein Fehlschlag war, verkündet einen strategischen Sieg und zieht ab. Ist dieser Schritt unternommen, bricht die letzte Phase an: die getragenen Hollywoodfilme über die traumatisierten Soldat:innen und ihr schlechtes Gewissen, so viele Menschen getötet zu haben.
Nicht alle diese Filme sind künstlerisch oder politisch wertlos. Manche funktionieren als verkappte Satiren über die Kultur des amerikanischen Militärs (Apocalypse Now, Jarhead), andere üben sich in unabsichtlicher und darum umso aufschlussreicherer Dekonstruktion des blutrünstigen Es der USA (Zero Dark Thirty, American Sniper). Und dass posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) eine ernst zu nehmende Pathologie sind, an der unzählige kriegsversehrte und anderweitig traumatisierte Menschen leiden, steht ausser Frage.
© 2026 Paramount Pictures. All Rights Reserved.
Dennoch ist es schwer, nicht an besagten Witz zu denken, wenn in Heart of the Beast das Bild eines Hundes, der in einem Zelt an Brad Pitts Seite schläft, mit Maschinengewehr- und Bombengeräuschen aus dem Off ergänzt wird, bevor er winselnd aus unruhigen Flashback-Träumen erwacht. Ja, Kriege gehen auch an Tieren nicht spurlos vorbei, und PTBS-Diagnosen sind nicht nur Menschen vorbehalten. Aber ist das wirklich die Kriegsthematik, an der sich Hollywood im Jahr 2026 abarbeitet? Es klingt wie die Prämisse einer Saturday Night Live-Einlage über die Unfähigkeit der US-Popkultur, sich die Bewohner:innen der amerikanisch invadierten Länder als dreidimensionale Menschen mit eigenen Perspektiven vorzustellen: Eine irakische Übersetzerin oder ein afghanischer Guide taugen nicht zur Identifikationsfigur – wohl aber ein Militärhund a.D., der von Erinnerungen an die Terrorist:innen, die er in the line of duty totgebissen hat, verfolgt wird.
Man könnte nun argumentieren, dass der neue Survival-Thriller von Suicide Squad- und A Working Man-Regisseur David Ayer gar nicht von Amerikas Kriegen handelt. Dass Heart of the Beast ja in der Wildnis von Alaska spielt. Dass es hier nicht darum geht, über Sinn und Unsinn der US-Aussenpolitik zu entscheiden, sondern dass Cameron Alexanders Drehbuch einfach nur eine packende Geschichte erzählen will, in der ein Kriegsveteran (Pitt) den inneren Frieden in der Abgeschiedenheit sucht, mit seinem Flugzeug bruchlandet und zusammen mit seinem geliebten Vierbeiner in die Zivilisation zurückfinden muss.
Reduziert man den Film auf diese Ebene, wartet er bei aller Jack-Wolfskin-Werbeästhetik tatsächlich mit dem einen oder anderen sehenswerten Moment auf – von den visuell überaus ansprechend in Szene gesetzten neuseeländischen Drehorten über die eindrücklich gedrillten Schauspielhunde und Ayers Flair für Actionszenen, welche die Zerbrechlichkeit menschlicher Körper zelebrieren, bis hin zu J. K. Simmons’ allzu kurzem Gastauftritt, der Pitts eintönig grimmiger Performance ein willkommenes Kontrastprogramm gegenüberstellt.
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Aber eben, da klebt halt so ein Geschmäckle an der ganzen Sache. Dass der heldenhafte Hund, der den wilden Wölfen Alaskas ebenso Saures gibt wie einst den schemenhaften nahöstlichen Bösewichten, Odin heisst – geschenkt. («So nennen Neonazis ihren Pitbull», um eine alte Deutschlehrerin zu zitieren.) Doch die Beharrlichkeit, mit der Pitts Protagonist seinen gefallenen Militärkumpanen zuprostet und sich bei seinen Überlebensstrategien auf sein Spezialeinheitentraining beruft, klingt mitunter schwer nach unterschwelliger Rekrutierungsreklame – ein Eindruck, den weder der minutenlange, von wehenden US-Flaggen begleitete Schlussmonolog über Heldentum, Traumata und das Veteran:innen-Dasein noch die abschliessende Texteinblendung über die Exploits der amerikanischen Armeehund-Divisionen nennenswert zerstreut wird.
Im Kontext der aktuellen militärischen Stossrichtung in Washington D.C. – ob in Iran, Venezuela, Kuba oder Grönland – lässt Heart of the Beast so keine Zweifel darüber aufkommen, welche Weltanschauung er letztendlich bedient: America first, respect the troops, mit Odins herzallerliebsten Hundeaugen als Propaganda-Vorhut.