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The Housemaid
© 2025 Ascot Elite Entertainment. All Rights Reserved.

Low-Brow-Schaumschlacht: The Housemaid

Paul Feigs Erotikthriller ist wie ein verboten klebriger Snack im Dry-Veganuary.

Text: Selina Hangartner / 21. Jan. 2026
  • Regie

    Paul Feig

  • Buch

    Rebecca Sonnenshine

  • Kamera

    John Schwartzman

  • Schnitt

    Brent White

  • Musik

    Theodore Shapiro

  • Mit

    Sydney Sweeney, Amanda Seyfried, Brandon Sklenar

  • Start

    22. Januar 2026

Man könnte ein ganzes Buch darüber schreiben, welche momentanen filmischen Entwicklungen und welche Einflüsse sich ausgerechnet in einer Produktion wie The Housemaid überlagern – und hätte damit für die Nachwelt festgehalten, was es einst bedeutet hat, 2026 Kino zu machen.

Zum einen leidet der Film an einigen kleinen Krankheiten, die wir bestens von aktuellen Produktionen kennen, bei denen man augenscheinlich davon ausgeht, dass nur wenige sie im Kino sehen werden. Stattdessen sind sie so gedreht, dass man sie auch als Bild-in-Bild abends beim Pendeln auf dem kleinen iPhone-Screen schauen könnte. Oder – sollte es cineastischer kommen – immerhin zu Hause auf dem TV- oder Laptop-Bildschirm, während parallel aber bereits das Smartphone gezückt ist.

The Housemaid 1

© 2025 Ascot Elite Entertainment. All Rights Reserved.

Daran ist nicht die Filmindustrie schuld, die sich eifrig an neues Nutzer:innenverhalten adaptiert: mit gestochen scharfen, überleuchteten und flachen Bildern, die über die Screens hinweg funktionieren, aber so aussehen, als entstammten sie einer endlosen Telefonwerbung. Auch dass in Dialogen neuerdings ständig alles zusammengefasst und übererklärt wird, damit auch die wegschauenden Scroller:innen den Plot mitkriegen, gehört zu diesem New-New-Age-Filmlook.

Thematisch erzählt The Housemaid eine packend kleine Geschichte, die an die wunderbaren Erotikthriller der Achtziger- und Neunzigerjahre erinnert. Schon in ihnen entzündete sich die Handlung jeweils an einer Ausgangslage, die gerade so gut der Auftakt eines Pornos sein könnte. In Paul Feigs Film nun bewirbt sich die junge Millie (Sydney Sweeney) mit unklar-zwielichtiger Vergangenheit um eine Anstellung als Hausmädchen in der Villa einer reichen, hübschen Long-Island-Familie. Und wird angestellt – vielleicht gerade weil sie der Mutter Nina (Amanda Seyfried) auffällig gleicht?

The Housemaid 2

© 2025 Ascot Elite Entertainment. All Rights Reserved.

Danach schlägt die Geschichte einige Haken, die nicht gänzlich unvorhersehbar sind, aber dennoch verlockend unterhalten. Die guilty-pleasure-mässige Erzählung wurde von einem überaus erfolgreichen Buch von Freida McFadden adaptiert, das 2022 Wellen schlug, insbesondere auf BookTok, jener Online-Community auf TikTok, in der eifrig über brutale, unterhaltsame und schlüpfrige Romane debattiert wird.

Seyfried liefert die optimale Camp-Darbietung ab: Sie spielt Nina bestechend ernsthaft, ihre riesigen Stimmungsschwankungen kostet sie mit grossen Gesten aus. Locker ist sie das Beste an diesem Film, der nicht unbedingt das beste Kino ist, das die Welt je gesehen hat – aber das Kino, das die Welt 2026 verdient.

 

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