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Bulletin

Porträt

02. Nov. 2015

Alla Nazimova

Weder die biblische Salome noch Marguerite Gautier, die «Kameliendame» von Alexandre Dumas fils, mögen typische Vamp-Figuren sein. Doch mag man dieses Wort auch im weiteren Sinn als Inbegriff der starken, ihren Willen durchsetzenden Frau verstehen, die von den Männern als Bedrohung empfunden wird. Es fällt auf, dass sich weder Theda Bara noch die als Vamp in ihre Fussstapfen tretende Alla Nazimova (1879–1945) diese beiden Paraderollen entgehen liessen – so wenig wie vor ihnen die italienische Diva Francesca Bertini. Ohnehin ist der Weg kurz von den Diven zu den Vamps.

Essay

02. Nov. 2015

Es war einmal: Einfuhrkontingente für Spielfilme

Seit den dreissiger Jahren bewegte sich die Debatte über «Auslandsunabhängigkeit» im Schnittpunkt von Politik, Wirtschaft und Kultur. Die Einfuhrkontingentierung für Spielfilme sollte die Un­abhängigkeit gewährleisten. 50 Jahre später wurde dieses Regime abgelöst durch das Ziel der «Angebotsvielfalt» und durch Fördermassnahmen. Ein Rückblick auf eine Entwicklung, die kaum abgeschlossen sein dürfte.

Soundtrack

02. Nov. 2015

Klassische ­Filmmusik im Zeitalter des ­Sounddesigns

Während die eingängigen Themen und Motive von Raiders of the Lost Ark wohl den meisten Zuschauern im Ohr bleiben, zeigt sich eigentliche Meisterschaft des Komponisten John Williams in seiner Fähigkeit, bildgenau auf visuelle und emotionale Bewegungen zu reagieren, ohne den musikalischen Formwillen dem Effekt zu opfern. Gerade wegen dieser Nähe zur scheinbar redundanten Kompositionspraxis von Max Steiner und Erich Wolfgang Korngold wird John Williams von der seriösen Filmkritik oft vorschnell als reaktionär ignoriert. Ein genaues Hinhören lohnt sich: Soundtrack-Analyse mit Beispielen.

Essay

29. Sept. 2015

Die Schweizer Berge zwischen Sehnsucht und Idylle

«Heidi» ist eine Schweizer Geschichte, der in Japan in Form einer äusserst erfolgreichen Zeichentrickfilmserie neues Leben eingehaucht wurde. Die Serie wurde auch fürs deutsche Fernsehen adaptiert bzw. synchronisiert. Wie sich die kulturellen Unterschiede auf die Tonspur auswirkten, hat Oswald Iten untersucht und die Zeichentrickfassung Arupusu no shôjo Haiji (1974) von Isao Takahata, mit der Musik von Takeo Watanabe und Eriko Kishida, mit der deutschen Bearbeitung von Andrea Wagner und Gert Wilden verglichen. Die Analyse enthält Videobespiele.

Essay

29. Sept. 2015

Film im Museum

Seit zwanzig Jahren ero­­bern Filme auch Aus­stel­lungs­hallen, aber ­eigentlich sind die laufen­den Bilder mit den laufenden Betrachtern ­unvereinbar. Wie lassen sich audio­visuelle Werke ­trotz­dem in Museen zeigen?

Essay

29. Sept. 2015

Steine des Anstosses

Die Filmcollage «Die Erweiterung der Pupillen beim Eintritt ins Hochgebirge» bietet Anlass, über das wechselnde Verhältnis des Schweizer Films zur Gebirgslandschaft nachzudenken. Eine Beziehung, die selten unbeschwert war, aber durchaus lustvoll sein könnte.

Essay

29. Sept. 2015

Der Kompilationsfilm

Nicht alle Filmproduk­tio­nen beginnen mit einem Dreh. Kompilationsfilme, Found-Footage-Filme und Filmcollagen setzen aus bestehendem Bild- und ­Tonmaterial neue Filme zusammen. Nicht selten verkehren sie dabei die ­ursprüngliche Bedeutung ins Gegenteil.

Essay

29. Sept. 2015

Die Erweiterung der Pupillen beim Eintritt ins Hochgebirge

Das museale Ausstellen von audiovisuellen Werken hat Konjunktur. Aus Filmen ein eigenes Kunstwerk zu machen und dabei den Raum miteinzubeziehen, hat bisher noch kein Museum gewagt. Das Alpine ­Museum in Bern setzt mit der Filmcollage über die Beziehung des Menschen zum Berg auf Innovation und Experiment.

Porträt

27. Sept. 2015

Theda Bara

In der Rolle einer Femme fatale, die im Film A Fool There Was unter der Bezeichnung «The Vampire» geführt wird, erlangte Theda Bara 1915 Ruhm als erster und während der Stummfilmzeit auch berühmtester Vamp. Zum 100-Jahr-Juliäum des Vamps stellen wir in einer Reihe die faszinierenden Schauspielerinnen und die Filme vor, in denen sie ihre hypnotische Macht auf die Männern ausübten. Die Filme sind in der Reihe «Here She Comes! Der Kinovamp» in verschiedenen Kinos zu sehen.

Porträt

18. Sept. 2015

Phantombilder, Glance-Lichter

«Les films avancent comme des trains, tu comprends? Comme des trains dans la nuit», sagt François Truffaut in La nuit américaine. Am Anfang von Lars von Triers Europa fährt die Kamera über das Geflecht der Schienen, während die Stimme des Erzählers uns in Trance redet. So funktioniert Kino: Es fährt mit uns Zug. In Locomotive von Christoph Girardet und Matthias Müller eilen die Züge von rechts nach links und zugleich von links nach rechts durchs Bild, verschwinden von vorne nach hinten und nähern sich von hinten nach vorn. Drei Screens nebeneinandergestellt schaffen ein Super-Mega-Cinemascope, wo sich die Bilder verketten, so wie man Züge rangiert. Alle Bilder haben Anschluss und rasen mit uns davon. Die Hypnose kann beginnen.

Ausstellung

27. Juli 2015

La grande illusion

Auf dem DVD-Cover ist in naiver Kinderzeichnung der Oberkörper einer dunkelhaarigen Frau im Bikini zu sehen, darunter steht in Grossbuchstaben der Filmtitel «La Planète rêveuse», auf der Rückseite in krakeliger Schrift: «Paravision présente: ... Und: «Réalisation: Guy Brunet». Schöner Titel, grossartige Besetzung, aber wer ist dieser Regisseur? Und was ist das für ein Studio? Umfassend Auskunft darüber gibt aktuell eine wunderbare Ausstellung in der Collection de l’Art Brut in Lausanne.

Hintergrund

27. Juli 2015

Die Zeitreise als Egotrip

Ein Gespenst geht um in der Cineasten-Welt – das Gespenst des Spoilers. Wer es heute noch wagt, etwas über den Inhalt eines aktuellen Films oder einer Fernsehserie zu erzählen, dem ist gesellschaftliche Ächtung gewiss.