Alain Tanner
Une ville à Chandigarh – Essay zum Städtebau
Alain Tanner würzt das kaleidoskopische Porträt von Le Corbusiers Retortenstadt mit einer kräftigen Prise Brecht.
Alain Tanner würzt das kaleidoskopische Porträt von Le Corbusiers Retortenstadt mit einer kräftigen Prise Brecht.
Wie waren die diesjährigen Kurzfilmtage in Oberhausen? Dennis Vetter blickt kritisch zurück und entdeckt dabei unter anderem die israelische Filmemacherin Raquel Chalfi.
Das diesjährige Festival «Bildrausch» in Basel widmet sich mit seiner Retrospektive «Münchner Freiheit» dem in München entstandenen Kino der siebziger Jahre, das sich im Gegensatz zum Kino eines Schlöndorff oder Herzog stark am Genrefilm orientierte und den «Reiz der Oberfläche» suchte. Der Essay von Peter W. Jansen ist 2005 anlässlich der Reihe «Deutschland über alles – Kultfilme der 60er und 70er aus Ost und West» im Zürcher Kino Xenix publiziert worden.
In Les sauteurs filmt ein Migrant die Situation vor der spanischen Enklave Melilla und macht damit vor allem klar, dass ein abgeschottetes Europa ein Europa ohne Lust auf Bilder, auf Kino ist. Das Kino von morgen ist damit nicht mehr eines der europäischen «auteurs», sondern der «sauteurs» – der Springenden, der Migranten.
Allzu oft haben wir gehört, dass Barbara Stanwyck in Double Indemnity eine durch und durch böse Femme fatale gibt. Wenn wir aber die fragile Phyllis, wie sie Thomas Binotto in seinem Porträt beschreibt, entdecken, wird offenbar, weshalb die Stanwyck eine Jahrhundertschauspielerin war. Als sie zögerte, die Rolle anzunehmen, soll Billy Wilder gefragt haben: «Sind Sie eine Maus oder eine Schauspielerin?» Stanwyck antwortete: «Ich hoffe, eine Schauspielerin» und übernahm den Part.
Für ein Interview wünscht sich die Journalistin, der Journalist ein offenes, gesprächiges und geistreiches Gegenüber. Dass die Unterhaltung mit Filmschaffenden nicht immer gelingt, liegt nicht nur an den Launen der Stars, sondern auch an den verschiedenen Funktionen des Filminterviews. Im Idealfall ist das Gespräch aber der exklusive Moment der Wahrheit.
Im kollektiven Gedächtnis hat sich der frühe Film in Schwarzweiss festgesetzt. Dabei war Film schon immer farbig. Seine Farbenpracht wird nun schon seit Jahrzehnten in den Archiven wiederentdeckt und seit kurzem auch digital rekonstruiert. Dies dient nicht nur der Erhaltung, sondern auch der Sichtbarkeit der poetisch-subtilen bis explosiven frühen Filmfarben.
Filme produzieren Bilder und Töne für die inneren Vorgänge ihrer Figuren. Nicht selten kommt es bei der Darstellung von psychischen Krankheiten zu Spiegelungsprozessen, und der Film selbst gerät aus den Fugen. Wenn die Trennung von Wahn und Wahrnehmung schwindet: über die Verwandtschaft des psychischen und kinematografischen Apparats.
Wenn sie aus dem Hotel auschecken, sind die Figuren anders geworden. Dieser Filmort bietet als Mikrokosmos ausserhalb des Alltags Raum für Begegnungen, für Ein- oder Zweisamkeit, für allerlei Verbrechen und rauschende Bälle, für Kurzaufenthalte oder ein langes Refugium. Es herrscht ein buntes Kommen und Gehen in der langen Geschichte des Filmhotels.
Fast alles, was man über Marlene Dietrich als Schauspielerin wissen muss, hat sie selbst in einen Einzeiler gesteckt: «Ein Foto ist für mich wichtiger als ein Spielfilm.»
Die illusionistische Wirkung moderner Blockbuster basiert oft eher auf der engen Bild-Ton-Beziehung als auf inhaltlicher Realitätsnähe. So scheinen in George Millers Mad Max: Fury Road Geräusche, Stimmen, ja sogar die Musik organisch in der gezeigten Welt verankert, obwohl ihr Ursprung von dem der Bilder bisweilen so weit entfernt ist wie der Automotor vom damit unterlegten Warner Bros Logo. Ist die Synchronität jedoch gewahrt, akzeptieren wir als Zuschauer auch absurde Kombinationen als reale Vertonung der fiktiven Welt.
Berlinale 2016: Mit Quand on a 17 ans ist André Téchiné eine vibrierende Liebesgeschichte zweier Jugendlicher gelungen. Der deutsche Beitrag, 24 Wochen, enttäuscht trotz eines potenten Themas.