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Kritiken

Kino

13. Juni 2012

Virgin Tales

Man nennt sie «Purity Balls». Es sind festliche Partys, in deren Zentrum junge Mädchen und deren Väter stehen. Sie wurden Ende der neunziger Jahre in Colorado Springs, einer 400 000-Seelen-Stadt am Fusse der Rocky Mountains und ein Zentrum der amerikanischen Evangelikalen, von den Eltern Wilson erfunden. Zwei Jahre lang hat Mirjam von Arx die Wilsons begleitet.

Kino

13. Juni 2012

The Women in the Fifth / La femme du Vième

The Woman in the Fifth ist ebensowenig ein Mysterythriller wie Pawlikowskis letzte Regiearbeit, My Sommer of Love, ein Psychothriller war. Auch diese tragische Liebe verzichtet bewusst auf den Thrill, das Tempo, den Nervenkitzel. Stattdessen entfaltet er in lyrischen Bildern, ruhigen bis zähen Einstellungen und Szenen eine mystisch versponnene Parallelwelt, die in ihren besten, quälendsten, von klassischer Musik und gespenstischer Atmosphäre getragenen Momenten an Stanley Kubrick oder Roman Polanski erinnert.

Kino

13. Juni 2012

Woody Allen: A Documentary

Woody Allen: Standup-Comedian, Drehbuchautor, Stückeschreiber, Filmregisseur, Schauspieler, Lebenskünstler, Philosoph, Jazz-Klarinettist, New Yorker. Nun hat Robert B. Weide einen Dokumentarfilm inszeniert, der Leben und Werk des 76-Jährigen nachzeichnet. Dabei spannt er den Bogen von Allens Kindheit in Brooklyn bis zur Cannes-Premiere seines kommerziell erfolgreichsten Films Midnight In Paris im letzten Jahr.

Kino

25. Apr. 2012

Abrir puertas y ventanas

In ihrem Erstlingsfilm zeichnet Milagros Mumenthaler den Mikrokosmos von drei jungen Frauen, luftig und bedrückend zugleich. Bald zeigt sich, dass trotz dem scheinbar ereignislosen Einerlei eigentlich Ausnahmezustand herrscht und die drei sich wie in einem Vakuum – der Zeit, des Lebens – befinden.

Kino

25. Apr. 2012

Les adieux à la reine

In Les adieux à la reine nimmt Benoît Jacquot wiederum die Französische Revolution in den Blick – so wie ihn überhaupt das achtzehnte Jahrhundert als Stofflieferant fasziniert, man denke an seine Marivaux-Adaptionen la Vie de Marianne und La fausse suivante sowie an seine Verfilmung von Benjamin Constants Novelle «Adolphe» und seine Inszenierung von Jules Massenets Oper «Werther».

Kino

25. Apr. 2012

2 Days in New York

Es hätte diesen Film nicht unbedingt gebraucht. Fünf Jahre nach 2 Days In Paris erzählt Julie Delpy in der Fortsetzung 2 Days In New York wenig Neues. Der Grundkonflikt ist derselbe: hier die sinnlichen, freizügigen, chaotischen Franzosen, dort der eher prüde, reinliche Amerikaner.

Kino

25. Apr. 2012

Albert Nobbs

Mister Nobbs ist der Hausdiener in Perfektion: vom Scheitel über die steife Fliege bis zur Sohle. Die Geschichte des Albert Nobbs, der in Wahrheit eine Frau ist, basiert auf einer Kurzgeschichte des irischen Autors George Moore. Glenn Close, welche die Rolle bereits vor dreissig Jahren auf der Theaterbühne spielte, verkörpert den in sich gekehrten Kammerdiener ausgesprochen brillant.

Kino

25. Apr. 2012

Bel Ami

Guy de Maupassants Roman «Bel Ami», 1885 veröffentlicht, wurde bereits mehrmals für die Leinwand adaptiert, am bekanntesten in den Versionen von Willy Forst (1938) und Louis Daquin (1955). Das britische Regie-Tandem Declan Donnellan und Nick Ormerod hat nun, basierend auf einem Drehbuch von Rachel Bennette, eine enge Anlehnung an die literarische Vorlage versucht.

Kino

25. Apr. 2012

Café de Flore

Komplex erzählte Filme tendieren dazu, den Zuschauer mit einer zu banalen Auflösung zu enttäuschen. Trotzdem hinterlassen sie bisweilen so starke emotionale Spuren, dass man nicht umhin kann, sich ein zweites Mal darauf einzulassen, sei es, um die komplexe Konstruktion zu entschlüsseln oder noch tiefer in die Gefühlswelt der Figuren einzutauchen. Café de Flore ist so ein Film, dessen faszinierendes Geflecht aus Querverweisen und Parallelmontagen sich erst bei wiederholter Begegnung vollständig erschliesst.

Kino

25. Apr. 2012

Corpo celeste

Was für ein Talent! Unschwer könnte man sich ja bekannte, brave, bunte Bilder spiritueller und körperlicher Not als Spielfilmerstling zusammenreimen, der von einem Mädchen erzählt, das im tief klerikalen Milieu des Mezzogiorno an der Schwelle zum Erwachsensein tapfer seinen Weg sucht.

Junge Kritik

25. Apr. 2012

Kampf der Königinnen

Dominga, Melancholie, Shakira. So heissen die drei Kühe, denen der Dokumentarfilm von Jungregisseur Nicolas Steiner während eines Maitages folgt – zum festlichen Wettbewerb «Combat des reines».

Kino

25. Apr. 2012

Marley

Kevin MacDonald hat die erste abendfüllende Dokumentation über den charismatischen Sänger gedreht. Er spannt in 144 Minuten den Bogen von Robert Nesta Marleys Geburt als Sohn eines fünfzigjährigen britischen Hauptmanns und einer einheimischen Kolonialwarenhändlerin am 6. April 1945 bis zu seinem Krebstod am 11. Mai 1981 in Miami.