Es braucht Zeit für das Urteil über einen Film, der schon mit seinem Titel verrät, dass er sein Sujet mit witzig gemeinter Distanzierung zu vermitteln versucht. Ein Film, der eine solch prägnante Figur der Zeitgeschichte zu seinem Mittelpunkt wählt und diese auf seine ganz eigene Weise vorstellt, kann eine gerechte Beurteilung eigentlich nur von jenen erwarten, die sich schon mit diesem Abschnitt deutscher Geschichte auseinandergesetzt haben.
Die Themen Heimat und Fremde stehen im Zentrum von Andrea Štakas Das Fräulein. Das hat nicht nur mit der Geschichte der jungen Filmemacherin zu tun, die in der Schweiz aufgewachsen ist, aber kroatisch-bosnische Wurzeln hat. Das verbindet Štakas Debütspielfilm auch mit ihrem vorgängigen Werk, dem dokumentarischen Yugodivas, über fünf Künstlerinnen und Musikerinnen aus Ex-Jugoslawien.
Die Feststellung «Mein Bruder heiratet» klingt an sich relativ unspektakulär. Fungiert der Satz jedoch als Filmtitel einer Familienkomödie, lässt er Ungemach erahnen. Und so löst eine bevorstehende Hochzeit im ersten Spielfilm des Westschweizers Jean-Stéphane Bron denn auch allerhand familiäre Turbulenzen aus.
Darf man nach Distomo noch Bücher schreiben, noch Filme drehen? Der Zürcher Filmregisseur Stefan Haupt hat es getan. Ein Lied für Argyris hat er seinen Film über eines der entsetzlichsten Massaker genannt, die während des Zweiten Weltkrieges in Griechenland von der deutschen Besatzungsmacht verübt wurden.
Regisseur Michael Hofmann erzählt in Eden – nach Der Strand von Trouville und Sophiiiie! – die heiter besinnliche Geschichte einer Selbstfindung. Ganz leicht und unangestrengt lässt er seine ungewöhnlichen Charaktere vor der Kamera Gestalt annehmen. Drei Menschen, die sich neu orientieren müssen:
Damaris Lüthi und Ulrich Grossenbacher haben sich für die Recherche und den Dreh von Hippie Masala viel Zeit genommen: Insgesamt mehr als sechs Monate waren sie in Indien unterwegs und brachten rund 120 Stunden Filmmaterial nach Hause. Dabei folgten sie dem Vorgehen der visuellen Anthropologie, was zeitintensives Anwesendsein beinhaltet: viel Aufmerksamkeit für das scheinbar Nebensächliche und Alltägliche.
Gäbe es nur noch einen einzigen Wildheuer in den gesamten Alpen, den allerletzten seines Schlags, Das Erbe der Bergler wäre auf jeden Fall zustande gekommen. Doch hätte mit einer geringeren Zahl Darsteller gedreht werden müssen, als sich nun aufbringen liessen. Denn gemäss einer klassischen Definition gilt in der Siebten Kunst der sogenannt volkskundliche oder denkmalschützerische Film, oder wie immer die Gattung heisst, als diejenige Disziplin, deren Gegenstand sich verzehrt.
Die Herbstzeitlosen ist der mutige Versuch, einen «modernen Heimatfilm» zu drehen und ihn mit feministischen Elementen aufzupeppen. Und tatsächlich gibt Bettina Oberli hinter der adretten Kulisse von geraniengeschmückten Holzchalets, bäuerlicher Bodenständigkeit und satten Emmentaler Wiesen den Blick frei auf die Abgründe der scheinbar intakten Dorfgemeinschaft.
Anders als die meisten seiner Berufskollegen weigert sich der Fotograf Heini Stucki, Details seiner Aufnahmen zu vergrössern. «Ich mache nie Ausschnitte», sagt er. «Ich mache immer das ganze Bild, so wie ich es aufnehme. Das ist auch das Interessante für mich, mit welcher Geschwindigkeit man etwas in sich hat und etwas erfassen und in diesem Viereck arrangieren kann.
Tempo zählt kaum zu den Tugenden des Schweizer Kinos. Umso erstaunlicher, dass sich nun ausgerechnet ein Schweizer Filmemacher im rasantesten aller amerikanischen Filmgenres versucht: der Screwball Comedy.